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Kinder in den Slums: Gesunde Hände, frohe Herzen

Kinder in den Slums

Bessere Hygiene in den Slums: Menschen für Menschen hat der Familie auch einen Wassertank zur Verfügung gestellt.

Kalkidan und Eyenalem litten lange Jahre seelische Qualen. Die Schwestern wurden ausgegrenzt – wegen ihrer von einem Pilz befallenen Fingernägel. Erst als Menschen für Menschen auf die Mädchen aufmerksam wurde, endete ihr Leid.

 

DER LEHRER RIEF KALKIDAN AN DIE TAFEL. Ihr Herz raste: Alle würden ihre Finger sehen, wenn sie die Kreide in die Hand nahm! Gewöhnlich formte sie die Hände zu einer Faust, versuchte so ihre Fingernägel zu verstecken. Die Nägel waren rau, gewellt und schwarz verfärbt. Sie schämte sich so! Aber am schlimmsten war es, wenn Kalkidan in ihr Heft schrieb und rote Streifen auf dem Papier blieben.

 

«Du hältst dein Heft nicht sauber», tadelte der Lehrer. – «Aber meine Finger bluten», sagte Kalkidan leise. «Du musst zur Gesundheitsstation!» – «Wir waren schon da. Sie haben nichts gegen die Krankheit.» «Dann geh in die Apotheke und kauf dort Medizin.» – «Aber wir haben kein Geld.»

 

Auf dem nackten Boden ohne Matratze zu schlafen, karges Essen, löchrige Kleider: Darüber klagten Kalkidan Dessu, 13, und ihre Schwester Eyenalem, 9, aus der Stadt Debre Berhan nicht. Die Armut ihrer Mutter hatte für die Mädchen viel unerträglichere Konsequenzen: Kalkidan litt zehn Jahre und Eyenalem sieben Jahre lang an einem hartnäckigen Pilz, der ihre Fingernägel befallen hatte. Schlimmer als das Jucken waren die Blicke und Worte der Kinder. «Unsere Eltern sagen, wir sollen nicht mit euch spielen.» Niemand in der Klasse lieh den beiden Mädchen auch nur einen Bleistift: «Ihr seid schmutzig!»

 

Kinder in den Slums

Mutter Beskut: «Für mich ist die Heilung wie ein Wunder.»

Ob man von Pilzen befallen wird, ist auch genetisch bedingt. Manche Menschen stecken sich leichter damit an als andere – in der Schweiz häufig im Schwimmbad. Hierzulande geht man zum Arzt, bekommt Medikamente und hat das Problem bald wieder vergessen. Doch für die Armen in Äthiopien sind die Tabletten unerschwinglich. Sechs Monate lang müssen sie eingenommen werden, bis der Pilz verschwunden und neue Nägel gewachsen sind. Insgesamt betragen die Behandlungskosten für das halbe Jahr bis zur völligen Heilung pro Kind 180 CHF.

 

Eine horrende Summe für die alleinstehende Mutter Beskut Mamu: «Ich kämpfe damit, genug Essen zu beschaffen, wie könnte ich so teure Medizin bezahlen?» Tagelöhnerinnen wie sie verdienen etwa einen Franken pro Tag.

«Mama, ich habe keine Freundinnen », sagte Kalkidan. «Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut werden», sagte Beskut und lächelte.

Dann ging sie in die Kirche, um zu weinen. «Ich fühlte mich schuldig, meiner Tochter nicht helfen zu können. Ich betete verzweifelt», erzählt die Mutter. «Und dann trat das Wunder tatsächlich ein!» Nämlich in Person von Lemlem Tadesse, eine Sozialarbeiterin im Kinderprojekt von Menschen für Menschen. Das Projekt hat zum Ziel, 1000 Kindern aus den allerärmsten Familien in der Stadt umfassende Lebensperspektiven zu geben. Bei ihrem ersten Besuch in der Familie wurde die Sozialarbeiterin auf die Finger der Mädchen aufmerksam.

 

Menschen für Menschen sorgte dafür, dass die Schwestern Lebensmittel und Schulmaterial erhielten, Matratzen, Decken und grob gezimmerte Möbel, damit sie in einer besseren Umgebung lernen und aufwachsen können. Medizinische Betreuung gehört ebenfalls zum Projekt und Lemlem sorgte dafür, dass die Mädchen die Tabletten erhielten. «Die Mädchen litten seelisch, man sah es an ihren Augen, ihrer Körpersprache», sagt die Sozialarbeiterin.

Kinder in den Slums

«Früher waren unsere Fingernägel schwarz», erklärt Kalkidan ihre Zeichnungen an der Wand. «Heute sind wir gesund und glücklich.»

Bei der Erinnerung daran schiessen Kalkidan immer noch Tränen in die Augen. Doch jetzt sei sie in die Klassengemeinschaft aufgenommen. Sie Kinder in den Slums Recht auf Gesundheit habe sogar drei beste Freundinnen. Sie hege keine Wut gegen die Kinder, weil sie ausgestossen wurde. «Vielleicht wäre ich auch so gewesen, wenn ein anderes Mädchen meine Krankheit gehabt hätte: Alle hatten einfach Angst, sich anzustecken», sagt Kalkidan. Und das Wichtigste: «Ich bin jetzt zusammen mit den anderen Mädchen. Wir spielen und lernen und plaudern zusammen.»

 

In der Hütte hängen Bilder, die Kalkidan mit den Stiften von Menschen für Menschen gemalt hat. Man sieht darauf eine Hand mit schwarzen Nägeln und eine mit gesunden. Ein weinendes Mädchen und ein lachendes: «Vergangenheit und Gegenwart», erklärt Kalkidan. Sie träumt davon, Künstlerin zu werden, schreibt auch Gedichte: «Ich will den Armen eine Stimme geben!» In Zukunft wird kein Blut mehr auf dem Papier sein, wenn sie malt oder schreibt: «Jetzt bin ich ein freier Mensch.»


WARUM WIR HELFEN

Die ärmsten Kinder in den Slums von Debre Berhan sind häufig mangelernährt und sie können nicht zur Schule gehen, weil ihren Eltern sogar das Geld für Hefte und Stifte fehlt. Wenn die Kinder krank werden, bleiben ihre Leiden aus Geldmangel oft unbehandelt. Das Elend der Eltern droht sich in die junge Generation zu vererben.

 

WIE WIR HELFEN

  • Nur wer gesund ist, kann arbeiten und lernen: Die Kinder erhalten medizinische Checkups und bei Krankheiten die notwendige Behandlung.
  • Die Kinder erhalten Lebensmittel und Schulmaterialien, um ihre gesunde Entwicklung und ihren Schulbesuch zu sichern.
  • Die Eltern brauchen ein besseres Einkommen, um ihre Kinder ernähren zu können. Sie bekommen Schulungen und Mikrokredite, damit sie ein kleines Gewerbe starten können.

Im Durchschnitt kostet die Behandlung eines Kindes bei einer akuten Erkrankung rund 90 CHF.

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