Spenden

Tseganeshs Traum vom eigenen Café

«Alles, was ich hier lerne, ist neu für mich»

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden


Ich bin in Shewarobit aufgewachsen, einer Stadt rund 200 Kilometer nördlich von Addis Abeba. Mein Vater war Taglöhner, aber er hat gesundheitliche Probleme und arbeitet nicht mehr. Auch meine Mutter ist ob ihrer schweren Arbeit krank geworden. Sie hat gegen einen kleinen Lohn von Hand die Wäsche anderer Leute gewaschen. Ich habe zwei Brüder und sieben Schwestern. Dementsprechend lebten wir in grosser Armut.

Deshalb habe ich die Schule bereits in der dritten Klasse abgebrochen. Auch meine Schwestern sind nicht zur Schule gegangen. Sie helfen Bauern auf den Feldern, um etwas Geld zu verdienen. Ich zog mit 13 Jahren nach Addis Abeba. Ich dachte, ich könnte von der Hauptstadt aus als Gastarbeiterin in ein arabisches Land gehen. Viele Äthiopierinnen arbeiten als Hausmädchen in Arabien. Aber die Behörden stellten mir keinen Pass aus, weil ich so jung war.

Auszubildende Tseganesh Mamo

Tseganesh Mamo im Ausbildungszentrum für Hauswirtschafterinnen

Eine ältere Schwester war schon vor mir in die Hauptstadt gezügelt, sie arbeitete als Tagelöhnerin, bei ihr wohne ich seither. Auch ich begann Gelegenheitsarbeiten zu verrichten, vor allem habe ich für Familien in der Nachbarschaft Injerra gebacken, das äthiopische Fladenbrot.

Meine Schwester und ich legen unser Geld zusammen, aber wir haben oft Mühe, die Miete für unser Zimmer zu bezahlen. Manchmal haben wir nicht einmal Geld für Lebensmittel. Wir leben weit draussen am Stadtrand und trotzdem bringen wir die Miete kaum auf. Um zur Hauswirtschaftsausbildung zu kommen, muss ich fast zwei Stunden pendeln.

Die Ausbildung ist umfassend: Die Zubereitung von Lebensmitteln, Kinderbetreuung, Haushaltsführung und einen Kurs in Lebenskompetenzen. Alles, was ich hier lerne, ist neu für mich. Ausserdem belege ich einen Alphabetisierungskurs und lerne besser Amharisch lesen und schreiben.

Tseganesh Mamo schüttet Wasser in einen Kochtopf

Ihr langfristiges Ziel: Ein Café zu eröffnen

Nach meinem Abschluss möchte ich in einer Küche arbeiten, in einem Hotel zum Beispiel.  Aber ich träume davon, mein eigenes Geschäft führen und ein Frühstückscafé zu eröffnen. Daneben möchte ich meine Schulbildung an der Abendschule fortsetzen.

Ohne diese Hauswirtschaftsausbildung wäre mir über kurz oder lang nichts anderes übrig geblieben als doch in ein arabisches Land zu gehen – trotz der vielen Berichte, wie übel es dort vielen Äthiopierinnen ergeht und dass einige von ihnen in den Häusern von Auftraggebern ausgenutzt und gequält werden.

Dank der Ausbildung bekomme ich die Grundlagen, mein Leben zu ändern, indem ich in meinem eigenen Land hart arbeite. Mein Ziel ist es zuerst, mich aus der Armut zu befreien und meine Eltern zu unterstützen. Erst wenn ich das geschafft habe, werde ich darüber nachdenken, selbst eine Familie zu gründen.

Weitere Hintergrundgeschichten von Auszubildenden des Berufsbildungsprojektes in Addis Abeba finden Sie hier:

 

Alle Hintergrundgeschichten