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04.12.2019

«Es ist leicht, Kinderarbeit zu beenden»

Dank Menschen für Menschen blüht das Mädchen Kanaan auf

 

Zürich / Debre Berhan, 4. Dezember 2019. Kanaan war nur zehn Jahre alt, als sie die Schule abbrechen musste. Statt zu lernen, verrichtete das Mädchen Hilfsarbeiten in einem Lokal. Dass sie jetzt wieder ein Kinderleben mit Schule und Spielen hat, liegt an der Stiftung Menschen für Menschen. «Es ist nicht schwierig, Kinderarbeit zu beenden», sagt Kelsang Kone, Geschäftsführer des Schweizer Hilfswerks.

 

Kinderarbeit ist in den Ländern südlich der Sahara weit verbreitet. In Äthiopien müssen laut Weltbank 41.5 Prozent der Kinder zwischen 7 und 14 Jahren arbeiten. Auf dem Land hüten vor allem die Buben aus armen Familien das Vieh von bessergestellten Bauern, sie jäten Unkraut und schneiden Getreide. In der Stadt warten sie als Schuhputzer auf Kunden, arbeiten als Boten und Träger auf dem Markt. Die Mädchen verrichten besonders schwere Arbeiten. Sie verdingen sich meist in Haushalten, schrubben von früh bis spät Wäsche von Hand oder backen an offenen Feuern Injera, das äthiopische Fladenbrot.

 

Auch Kanaan aus der äthiopischen Grosstadt Debre Berhan war Kinderarbeiterin. Jahrelang lebte das Mädchen mit seiner alleinerziehenden Mutter und zwei jüngeren Geschwistern in einem aus Holzstangen gebauten, zugigen Verschlag. Um den Lebensunterhalt zu verdienen, brannte die Mutter über einem offenen Feuer Schnaps. Die Asche legte sich auf die Gesichter der Kinder und sie litten unter dem beissenden Rauch. Weil der Verdienst der Mutter winzig war, musste Kanaan im Alter von zehn Jahren die Schule aufgeben. Fortan arbeitete sie in einer Kaffeebude. «Es war schrecklich, die anderen Kinder auf dem Weg in die Schule oder beim Spielen zu sehen», erinnert sie sich.

 

Ohne Bildung ist ein Leben in Armut vorprogrammiert

Viele Kinder können zwar Arbeit und Schule verbinden. Aber eines von vier Kindern in Äthiopien besucht keine Schule. 46 Prozent der Kinder schliessen aufgrund von Armut und Arbeitsbelastung die achtjährige Primarschule nicht ab. Damit ist für sie ein Leben in extremer Armut vorprogrammiert. Ohne Schulabschluss haben sie keine Chance auf eine Ausbildung. Es bleiben ihnen nur Hilfsarbeiten, die mit Hungerlöhnen von rund einem Franken am Tag bezahlt werden – so wie ihren Eltern.

 

«Es geht darum, die Spirale der Armut zu beenden», sagt Kelsang Kone, Geschäftsführer von Menschen für Menschen (www.mfm.ch). «Projekte müssen so angelegt sein, dass sie nicht nur kurzfristig Not lindern, sondern für die junge Generation Lebensperspektiven schaffen.» Die Schweizer Stiftung unterhält in der Stadt Debre Berhan ein Projekt für 1000 besonders arme Kinder. «Die Familien bekommen massgeschneiderte Angebote, die genau auf die Einzelsituation passt», erklärt Kelsang Kone. «Das können wir dank unseren einheimischen Sozialarbeitern leisten, die täglich in den Slums vor Ort sind.»

 

 

Schulmaterial, Sozialwohnungen, Mikrokredite

Manche Kinder erhalten nicht nur Schulmaterial, sondern auch Lebensmittel, weil sie unterernährt sind. Familien, deren Wohnsituation besonders menschenunwürdig ist, können in einfache, aus Lehm gebaute Sozialwohnungen nach lokalem Standard umziehen. Auch die Familie des Mädchens Kanaan lebt nun in zwei Zimmern eines Lehmbaus. Die Kinder schlafen jetzt in einfachen Betten, statt auf dem nackten Boden eines zugigen Verschlags.

 

Dass Kanaan nach einjähriger Kinderarbeit nun wieder zur Schule gehen kann und die Familie in Zukunft ohne weitere Hilfestellungen auskommt, liegt auch an einer weiteren Komponente in dem Kinderprojekt: Die Eltern erhalten Mikrokredite und Schulungen in Selbsthilfegruppen, damit sie sich mit einem Kleingewerbe selbständig machen können. Kanaans Mutter hat dank des Kredits auf dem städtischen Markt einen Gemüsehandel eröffnet. Das Einkommen ist bescheiden, aber gross genug, damit Kanaan die Arbeit in der Kaffeebude aufgeben und die Schule wieder aufnehmen konnte. «Ich möchte Polizistin werden», sagt das Mädchen. «Ich werde Kriminelle jagen und Streit schlichten. Denn alle sollen ein gutes Leben haben.»

 

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

 

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Menschen für Menschen

Medienkontakt:
Michael Kesselring, Kommunikation / Mediensprecher
m.kesselring@mfm.ch, Tel.: +41 (0)43 499 10 60

 

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