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08.03.2019

Zum Weltfrauentag am 8. März

Äthiopien will Vorbild der Gleichstellung sein

 

Zürich / Addis Abeba. In Sachen Gleichstellung kann die Schweiz von Äthiopien lernen: In der Regierung in Addis Abeba gibt es genauso viele Ministerinnen wie Minister. Mit der Förderung der Frauen will Premierminister Abiy das Land modernisieren und die Wirtschaft ankurbeln. «Diesen Einsatz für Gleichberechtigung braucht es dringend», sagt Kelsang Kone vom Schweizer Hilfswerk Menschen für Menschen. «Aufgrund von schädlichen Traditionen werden in Äthiopien gerade die armen Mädchen und Frauen immer noch unterdrückt und missbraucht.»

 

Im Kabinett der aktuellen Regierung Äthiopiens herrscht Geschlechterparität: Zehn der insgesamt 20 Ministerposten werden von Frauen eingenommen. Unter anderem leiten Ministerinnen die Schlüsseldepartements Verteidigung sowie Handel und Industrie. Die Ministerin für Frieden kontrolliert Polizei und Geheimdienste. Daneben haben Top-Juristinnen den Vorsitz am obersten Gericht wie auch in der Kommission zur Vorbereitung der geplanten Parlamentswahlen im kommenden Jahr. Zur Präsidentin Äthiopiens wurde die ehemalige Diplomatin Sahle-Work Zewde gewählt, sie ist das einzige weibliche Staatsoberhaupt Afrikas.

 

Mit seiner Gleichstellungspolitik verfolgt Premierminister Abiy ökonomische Ziele. «Wir können nicht erwarten, als Nation und Volkswirtschaft voranzuschreiten, wenn wir die Hälfte unsere Bevölkerung nicht voll und gleichberechtigt beteiligen», sagte Abiy beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar.

 

«Damit leitet der Regierungschef einen Umbruch ein, der für die Menschenwürde am Horn Afrikas dringend notwendig ist», sagt Kelsang Kone, stellvertretender Geschäftsführer von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen (www.mfm.ch). «Denn schädliche Traditionen rauben Mädchen und Frauen aus den armen Bevölkerungsschichten immer noch ihre Lebensperspektiven.»

 

So sind Kinderheiraten in vielen Landesteilen weiter die Regel. Aus Armut und Unwissenheit werden Mädchen von ihren Eltern in Frühehen gedrängt. Drei von sieben äthiopischen Mädchen heiraten vor ihrem 18. Geburtstag. Eines von sieben Mädchen ist sogar bereits an ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Mit der Heirat geben die meisten ihre Schulbildung auf. Frühe Schwangerschaften sind eine grosse Gesundheitsgefahr für Babys und Mütter. So wird Armut zementiert und in die nächste Generation vererbt.

 

Regierungschef Abiy hofft, dass durch seine Reformen sogenanntes «smart capital» nach Äthiopien fliesst, dass also mit ausländischen Investoren nicht nur Geld, sondern auch Wissen ins Land kommt. «Was die äthiopische Regierung im Grossen beabsichtigt, setzt Menschen für Menschen an der Graswurzel schon seit vielen Jahren um», betont Kelsang Kone: «Wir bringen gerade den ärmsten Mädchen und Frauen Wissen. Denn Bildung und Ausbildung schützen am besten vor schädlichen Traditionen.»

 

Arme Mütter erhalten Schulungen und Mikrokredite, um ein Geschäft beginnen zu können. In Selbsthilfegruppen können sie sich über Familienplanung informieren. Mit Gratis-Mittagessen und Schulmaterialien sichert Menschen für Menschen den Bildungserfolg von Kindern in städtischen Slums. Das Schweizer Hilfswerk initiiert Schulclubs, deren Mitglieder ihre Mitschüler mit Theaterstücken für schädliche Traditionen und Vorstellungen sensibilisieren. Warum diese Projekte wichtig sind, zeigt unter anderem eine Untersuchung der Weltbank. Demnach glaubt über ein Drittel der äthiopischen Frauen, dass ihre Männer ein Recht hätten, sie zu schlagen, wenn sie ihnen Sex verweigern.

 

Die Schulclubs wenden sich auch gegen die weit verbreiteten «Brautentführungen». Wenn Eltern einem Bewerber ihre Tochter nicht zur Ehefrau geben, kommt es häufig vor, dass dieser das Mädchen entführt und vergewaltigt. Damit gilt das Mädchen als «entehrt» – den Eltern bleibt nach der Tradition nur der Ausweg, sie dem Vergewaltiger doch zur Frau zu geben.

 

«Die Reformen zur Gleichstellung der Geschlechter sind ein positives Zeichen, dass solche Praktiken hoffentlich bald der Vergangenheit angehören», sagt Kelsang Kone. Es sei wichtig, dass von dem Fortschritt nicht nur die Eliten in der Hauptstadt profitieren. «Gerade die ärmsten Mädchen und Frauen in den städtischen Slums und in entlegenen ländlichen Gebieten dürfen nicht weiter abgehängt werden», sagt Kelsang Kone. «Menschen für Menschen wird sich weiter dafür engagieren, dass diskriminierende Traditionen aufgegeben werden.»

 

Menschen für Menschen (www.mfm.ch) setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

 

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