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10.07.2019

Zum Weltbevölkerungstag am 11. Juli

Extreme Armut verhüten

 

Zürich, 10. Juli 2019 – Neben der Klimakrise ist die wachsende Weltbevölkerung das grosse Zukunftsproblem. Vor allem in Afrika hält die wirtschaftliche Entwicklung mit den Geburtenraten nicht Schritt. Gerade die extrem armen Familien bekommen viele Kinder. Dabei gibt es bereits erfolgreiche Konzepte, wie man Familienplanung verbreitet und Armut bekämpft: Die Gleichstellung und Förderung der Bildung von Mädchen und Frauen. Darauf weist Menschen für Menschen anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli hin.

 

«Ich möchte nicht, dass ihr so leidet wie meine Familie!», ruft Fantu Hamiu. Die Mittdreissigerin steht auf dem Vorplatz eines Gehöfts im Dorf Odomike im Süden Äthiopiens, die Nachbarn haben für ihren Vortrag Bänke und Stühle aus den Hütten ins Freie getragen. Acht Kinder habe sie geboren, sagt Fantu Hamiu. «Zu viele! Ich konnte ihnen nicht genug zu essen geben. Ich konnte ihnen keine Schulsachen kaufen. Meine Ältesten haben die Schule abgebrochen.» Früher habe es geheissen: Je mehr Kinder, desto besser. «Aber das ist falsch, ihr müsst die Zahl der Kinder planen, um ihnen eine Zukunft zu ermöglichen!»
Fantu Hamiu ist eine von Dutzenden freiwilligen Helferinnen und Helfern in einem Projekt von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen (www.mfm.ch) in den Bezirken Abaya und Gelana. Das Schweizer Hilfswerk bildet die Ehrenamtlichen zu Ratgebern in Familienplanung aus.

 

Bevölkerung in 25 Jahren verdoppelt

 

In nur einem Vierteljahrhundert hat sich die Bevölkerung Äthiopiens verdoppelt. Lag die Zahl der Einwohner 1994 noch bei 55 Millionen, sind es jetzt 110 Millionen. Wenn keine Trendwende einsetzt, werden es in zehn Jahren 137 Millionen Menschen sein, prognostiziert eine Studie der Vereinten Nationen. Zwar konnten die Behörden durch den Ausbau der Gesundheitsversorgung viel erreichen. So stieg die Verhütungsrate von drei Prozent im Jahre 1994 auf aktuell 40 Prozent. Die Geburtenrate fiel im gleichen Zeitraum von 7.0 auf 3.9 Kinder pro Frau. Doch immer noch kann jede fünfte Frau, die das möchte, nicht verhüten. Gerade die ärmsten Frauen ohne Schulbildung bekommen die meisten Kinder – im Durchschnitt 5.7 laut Zahlen der äthiopischen Statistikbehörde. Frauen, die auf einer Sekundarschule waren, gebären dagegen nur 2.2 Kinder im Schnitt. Damit folgen die Zahlen in Äthiopien einem weltweit beobachteten Trend: Verbessert sich die Bildung in Entwicklungsländern, fallen die Geburtenraten rasch auf das Niveau der reichen Länder.

 

Bildung ist entscheidend

 

«Die Förderung von Bildung und Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen ist mitentscheidend für den Erfolg und die Nachhaltigkeit unserer Projekte», erklärt Kelsang Kone, Geschäftsführer der Schweizer Stiftung. «Deshalb integrieren wir entsprechende Angebote in unsere Hilfe.» Beispielsweise sei das Hauptziel in dem Projekt in Abaya und Gelana, die Landwirtschaft zu fördern, damit die ärmsten Familien nicht mehr hungern und über den Verkauf ihrer Ernten Einkommen erzielen. «Aber weil die Ressourcen zu knapp für den traditionellen Wunsch nach vielen Kindern sind, klären wir auch über die Vorteile von Familienplanung auf.»
Nach den Vorträgen und Hausbesuchen von Fantu Hamiu und den anderen freiwilligen Ratgebern für Familienplanung haben sich insgesamt 1033 Frauen entschieden, mit moderner Familienplanung zu beginnen. Die meisten nutzen Dreimonatsspritzen oder Verhütungsstäbchen, die auf den örtlichen Gesundheitsstationen unter die Haut des Oberarms implantiert werden und mehrere Jahre eine Schwangerschaft verhindern.

 

Alternativen zur Kinderehe

 

Weitere Komponenten runden die Mädchen- und Frauenförderung ab. Beispielsweise setzt sich die Stiftung gegen Kinderehen ein. Diese tragen im ländlichen Äthiopien wesentlich zum Fortbestand extremer Armut bei. 40 Prozent der Frauen in Äthiopien heiraten als Teenager. Danach brechen die meisten die Schule ab und bekommen früh mehrere Kinder. Gerade Eltern mit vielen Kindern geben ihre Töchter aus Not in Kinderehen, weil dann ein Esser weniger im Haus ist. Aber auch die Tradition spielt eine grosse Rolle: Mädchen sollen unberührt heiraten. Frühe Ehen gelten als Weg, die Ehre der Mädchen – und damit der Familien – zu bewahren. 15-jährige Mütter sind keine Seltenheit. Menschen für Menschen organisiert darum Jungen und Mädchen in Schulclubs. Die Mitglieder werben in Vorträgen und Theaterstücken dafür, dass Mädchen ihre Schulbildung beenden, statt sich in Kinderehen zwingen zu lassen.
Auf Initiative von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe schliessen sich die ärmsten Mütter in Selbsthilfegruppen zusammen. Dort erhalten sie Schulungen und Mikrokredite. «Mit diesem Startkapital können sie ein kleines Gewerbe anfangen», erklärt Kelsang Kone. «Wer sein eigenes Geld verdient, kann seine Interessen – und die der Töchter – selbstbewusst vertreten.»

 

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

 

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Menschen für Menschen

Medienkontakt:
Michael Kesselring, Kommunikation / Mediensprecher
m.kesselring@mfm-schweiz.ch, Tel.: 043 499 10 60

 

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