Spenden

Wie wir arbeiten?

Programmstrategie

Karlheinz Böhm

Karlheinz Böhm (†2014) bei einer Projektbesprechung in Äthiopien.

Äthiopiens Bevölkerung wächst weiter stark an. Die Entwicklung der Landwirtschaft hält damit nicht Schritt. Viele Menschen müssen aus Not ihre Dörfer verlassen. Sie stranden ohne Perspektiven in den Elendsvierteln der Städte. Das Ziel von Menschen für Menschen Schweiz ist es deshalb, in den Städten wie auf dem Land gute Lebensbedingungen zu schaffen: Die Menschen sollen in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Auskommen finden.

Die wachsenden Städte bringen aber auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Chancen. Diese will unsere Stiftung gezielt fördern. Wir unterstützten Einzelpersonen, Gruppen und Gemeinden, möglichst effiziente Lösungen für ihre drängendsten Probleme zu finden. Entscheidend ist dabei immer die Nachhaltigkeit. Die Projekte sind so organisiert, dass sie keine Abhängigkeiten schaffen: Menschen für Menschen Schweiz befähigt die Bevölkerung, sich selbst zu helfen.

Dabei baut unsere Stiftung auf enge Partnerschaften mit einheimischen Nicht-Regierungs-Organisationen. Diese müssen ihre Kompetenz über bereits erfolgreich abgeschlossene Sozial- und Entwicklungsprojekte nachweisen. Um Fehlplanungen zu vermeiden, stehen wir mit den lokalen und regionalen Behörden im ständigen Austausch.

Am Anfang unseres Engagements steht immer eine Analyse von Lebensumständen und Bedürfnissen am Projektort. Aufgrund dieser Analyse werden verschiedene Programmkomponenten so miteinander verbunden, dass die Spendenmittel möglichst effizient und nachhaltig eingesetzt werden können. Beispielsweise kombinieren wir auf dem Land landwirtschaftliche Schulungen mit Trinkwasserversorgung und in der Stadt Sanitärversorgung mit Gewerbeförderung für arme Bevölkerungsschichten. Wir begleiten die Projekte eng durch Monitoring und Evaluationen, um etwaige Fehlplanungen schnell korrigieren und Nachfolge-Projekte anpassen zu können.

Menschen für Menschen Schweiz versteht sich als lernende Organisation. Neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit fliessen in die Projekte ein.

Wie ein Projekt entsteht

  • Projektauswahl
  • Bedürfnisanalyse

    Wir starten die Projekte dort, wo sich Probleme in vielen Lebensbereichen anhäufen. Beispielsweise in den Dörfern, wo die Überbevölkerung und nicht angepasste Landwirtschaft zur Umweltzerstörung und Landflucht führt. Oder in den Städten, wo die Zugewanderten ohne Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Projektorte werden ausserdem danach beurteilt, ob dort Möglichkeiten für eine nachhaltige Verbesserung gegeben sind.

  • Projektplanung
  • Projektablauf definieren

    Unsere Projekte müssen für ihre gesamte Dauer geplant werden und eine Strategie für den Rückzug unserer Stiftung aus dem jeweiligen Gebiet enthalten. Dieses sogenannte Phasing-Out muss einen reibungslosen Übergang in einen selbstbestimmten Alltag der Bevölkerung ohne unsere weitere Hilfe ermöglichen.

  • Projektinhalt festlegen

    Inhaltlich setzen wir unserer Themenschwerpunkte, wo die Dringlichkeit oder Bedürftigkeit am grössten sind und wo Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen. Unsere Projekte sollen eine Vorbildfunktion haben, also die eingesetzten Methoden und Techniken zur Nachahmung einladen.

  • Umsetzung und Monitoring
  • Projekte koordinieren

    Wir arbeiten mit erfahrenen Nichtregierungsorganisationen zusammen, die ihre Kompetenz durch langjährige Arbeit bereits nachgewiesen haben. Staatliche Institutionen wie das System von Landwirtschaftsberatern und Technikern in den Gemeinden, das Gesundheitssystem oder das Wasserversorgungssystem, werden in unsere Projekte eingebunden. Beispielsweise bilden wir ihr Personal weiter, denn diese Institutionen vor Ort werden die Arbeit nach unserem Rückzug gemeinsam mit der Bevölkerung weiterführen.

  • Laufende Kontrolle

    Wir müssen in der Lage sein, die Projekte gut zu begleiten und zu betreuen. Deshalb unterstützen wir nur Projekte, die eine solide Grundinformation (Baseline) vorweisen und die ein Monitoring-System vorsehen: Ob unsere Arbeit etwas zum Positiven verändert, kann also über Indikatoren überprüft werden. Unsere Werthaltungen müssen in allen Projekten sichtbar und allen Interessierten zugänglich sein. Unsere Ergebnisse werden regelmässig dokumentiert, überprüft, bewertet und verbessert.

  • Evaluation
  • Wirkungsmessung

    Nach Projektabschluss bewerten wir die Erfolge. Dabei ziehen wir externe Experten hinzu. Sie untersuchen, ob unsere Ziele erreicht wurden und welche Auswirkungen sie auf das Leben der Menschen haben. Die Erkenntnisse aus dieser Evaluation integrieren wir in unsere Programmstrategie und beziehen sie in die künftige Projektplanung mit ein.

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Unsere Programmschwerpunkte

Menschen für Menschen Schweiz arbeitet dort, wo die Bedürftigkeit am grössten ist und wo für die eingesetzten Kosten ein grosser Nutzen erwartet werden kann. Unsere Projektarbeit setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die einzeln umgesetzt oder miteinander kombiniert werden können:

 

  • Sicherung der Grundbedürfnisse:
    In Äthiopien kommen viele Menschen nicht einmal in den Genuss einfachster Grundbedürfnisse wie ausreichende Ernährung, sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung. Wir schaffen Einrichtungen und Strukturen, damit die ärmsten Bevölkerungsschichten ihre Grundbedürfnisse besser erfüllen können.
  • Umweltschutz und Anpassung an den Klimawandel:
    Übernutzung der Äcker und der Klimawandel führen zu geringen Ernten. Wir unterstützen die Bauern dabei, möglichst viel Agrarland zu erhalten oder gar wieder fruchtbar zu machen.
  • Landwirtschaft und Marktbildung:
    Die Bauern lernen, wie sie die Erträge ihrer Felder steigern können. So können sie nicht nur ihre Familien ernähren, sondern Überschüsse verkaufen und sich am Aufblühen einer lokalen Marktwirtschaft beteiligen. Dabei achten wir auf die Entwicklung von Wertschöpfungsketten: Von den Bauern über weiterverarbeitende Produzenten bis hin zu Verkäufern und Kunden sollen Strukturen entstehen, die nach unserem Rückzug aus einer Region reibungslos funktionieren.
  • Infrastruktur und Stadtentwicklung:
    Ein Hemmnis für die Entwicklung Äthiopiens ist, dass in abgelegenen Regionen leistungsfähige Städte fehlen. Wir unterstützen den Aufbau von Gewerbe und Infrastruktur in ländlichen Zentren, damit diese als Wachstumsmotor für ihr Umland fungieren können.
  • Ausbildung und Berufsbildung:
    Ohne Bildung keine Entwicklung. Zwar hat die äthiopische Regierung in diesem Bereich viel getan: Mittlerweile beginnen neun von zehn Kinder mit dem Grundschulbesuch. Doch die Qualität des Unterrichts ist verbesserungswürdig. Wir fördern die Bildung von Kindern und Jugendlichen, unter anderem mit Schulausstattung, Lehrmaterialien und Lehrerbildung, aber auch mit Lebensmitteln: Kinder mit leerem Magen können sich nicht konzentrieren. Daneben bieten wir vor allem für junge Frauen berufsbildende Kurse an, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können.
  • Nothilfe:
    Unsere Komponenten sind auf nachhaltige Wirkungen ausgelegt. In Fällen von Naturkatastrophen wie der Dürre 2015/2016 in Äthiopien organisieren wir aber auch Nothilfe und verteilen Lebensmittel in besonders betroffenen Regionen, um die Gesundheit und das Leben von Hungernden zu retten.