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22.05.2018

Krank in Äthiopien: Nur wer Geld hat, wird wieder gesund

Zürich, 22.05.2018 – In der Schweiz sind die Gesundheitsausgaben pro Person über 300-mal höher als in Äthiopien. In dem ostafrikanischen Land leiden besonders die Kinder körperlich und seelisch an teils leicht heilbaren Krankheiten. Darauf macht Menschen für Menschen aufmerksam. Die Schweizer Stiftung bekämpft Armut in Äthiopien und sorgt für eine medizinische Grundversorgung besonders armer Kinder.

 

Der Lehrer schreibt Vokabeln an die Tafel, aber Kalkidan kann sie nicht in ihr Heft übertragen, ihr Kugelschreiber ist kaputt. Sie traut sich nicht, eine Klassenkameradin nach einem Stift zu fragen. Sie fürchtet die Antwort, die sie früher schon gehört hat: «Nein, du bist schmutzig.»

 

Kalkidan schämt sich, denn ihre Fingernägel sind schwarz und bluten. Die Nägel sind von einem Pilz befallen. Deshalb wollen die anderen Kinder nichts mit ihr zu tun haben.

 

Der 13-Jährigen schiessen Tränen in die Augen, wenn sie von ihrer Leidenszeit erzählt: Zehn Jahre lang litt sie an dem Nagelpilz, der sie zur Ausgestossenen machte. Ihre Mutter hatte kein Geld für Medikamente.

 

In den Slums der äthiopischen Grossstadt Debre Berhan wurde eine Sozialarbeiterin von Menschen für Menschen auf das Mädchen aufmerksam, besorgte Tabletten für die halbjährige Kur. Jetzt sind Kalkidans Fingernägel geheilt – und sie ist unter Gleichaltrigen integriert: «Endlich bin ich ein freier Mensch.»

 

«Für die Ärmsten in Äthiopien bedeutet Armut auch: Wer krank wird, bleibt es häufig ohne Hilfe von aussen», sagt Kelsang Kone, stellvertretener Geschäftsführer von Menschen für Menschen. Zwar werden in Äthiopien die ärmsten Familien in den staatlichen Gesundheitszentren gratis behandelt. Aber sehr oft fehlen dort sogar Medikamente gegen die gängigsten Krankheiten. Laut Zahlen der Weltbank betragen die öffentlichen und privaten Gesundheitsausgaben pro Person in Äthiopien rund 27 CHF. Zum Vergleich: in der Schweiz sind es 9571 CHF.

 

Fehlen in Äthiopien die Medikamente in den öffentlichen Einrichtungen, müssen sie in Apotheken gekauft werden – und sind damit unerreichbar für die armen Familien. So ist zu erklären, dass sieben Prozent der Todesfälle unter Kleinkindern auf das Konto von Malaria gehen. 15 Prozent der Todesfälle unter Kleinkindern sind Lungenentzündungen geschuldet.

 

Viele Gesundheitszentren haben keinen Strom und damit keine Kühlmöglichkeit für Medikamente und Impfmaterialien. Weil es keine Strassen gibt, transportieren die Menschen ihre Kranken viele Kilometer weit auf Bahren. Vor allem aber fehlt es weiterhin an Brunnen und an Sanitärversorgung. Vielerorts ist das Trinkwasser kontaminiert, was zu Todesfällen gerade unter Kindern führt. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren, das in Äthiopien sein Leben lassen muss, stirbt an den Folgen von Diarrhöe.

 

Die mangelnde Bildung und das Verharren in schädlichen Traditionen sind eine weitere Gefahr. Trotz eines offiziellen Verbots erleiden in den Weiten des Landes immer noch viele Mädchen die Genitalverstümmelung. Kinderehen sind weit verbreitet. Frühe und zahlreiche Schwangerschaften sind für die jungen Frauen ein grosses Gesundheitsrisiko. Weil die Mütter zu wenig über Hygiene wissen, leiden viele Kinder an Infektionen. Sechs von 100 Kindern sterben vor ihrem fünften Geburtstag. In der Schweiz ist die Sterblichkeitsrate unter Kleinkindern 14-mal geringer.

 

«Wer den Ärmsten langfristig helfen will, muss sich dringend auch um Gesundheitsvorsorge kümmern», betont Kelsang Kone. «Die Projekte von Menschen für Menschen haben deshalb eine starke Gesundheitskomponente.» Slum-Kinder wie Kalkidan erhalten medizinische Checkups und Behandlung. In Armensiedlungen verfügen viele Familien weder über eine Trinkwasser- noch Sanitärversorgung, weshalb das Schweizer Hilfswerk Wasserstellen und einfache Gemeinschaftstoiletten baut. In Schulen organisiert Menschen für Menschen junge Leute, die sich unter Mitschülern gegen schädliche Traditionen engagieren. Ernährungsprogramme sorgen dafür, dass unterernährte Kleinkinder zu Kräften kommen und sich gesund entwickeln können.

 

«Wir investieren direkt in die Menschen, deshalb können wir mit wenig sehr viel erreichen», erklärt Kelsang Kone. Im Durchschnitt kostet die Behandlung eines Kindes bei einer akuten Erkrankung rund 90 CHF. Die halbjährige Tabletten-Kur für Kalkidan gegen den Nagelpilz schlug mit 180 CHF zu Buche, berichtet Kelsang Kone: «Eine geringe Summe, wenn man bedenkt, dass dadurch die jahrelange körperliche und seelische Qual eines Kindes beendet werden kann.»

 

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Die einzelnen Programmkomponenten setzen sich aus den Schwerpunkten Grundbedürfnisse, Bildung, Frauenförderung, Landwirtschaft, Infrastruktur, Umweltschutz und Stadtentwicklung, sowie Nothilfe zusammen. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

 

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