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22.11.2018

Extreme Armut

Wie man Äthiopien wirklich helfen kann

 

Zürich, 22.11.2018 – Die Welt ist besser, als viele glauben: Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, verringert sich stetig. Doch wie kann extreme Armut endgültig vom Erdboden verschwinden? Die Schweizer Stiftung Menschen für Menschen, Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe, zeigt einen Ansatz in Äthiopien.

 

Wer weniger als 1.90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hat, ist extrem arm: So lautet die Definition der Weltbank. Die Zahl der extrem Armen geht demnach immer weiter zurück. 1990 lebten noch drei von zehn Menschen auf der Welt in extremer Armut, heute ist es nur noch einer von zehn – ein Verdienst von Industrialisierung, Handel und Entwicklungshilfe. Doch noch ist weltweit jeder zehnte Mensch extrem arm – allein in Äthiopien handelt es sich um rund 30 Millionen Menschen.

 

Sie leben unter Entbehrungen und Einschränkungen, die für Bürger der westlichen Welt kaum vorstellbar sind. Beispiel Wohnungen: In der Schweiz ist der Wohnraum pro Kopf seit 1980 um ein Drittel angestiegen. Jeder Einwohner breitet sich im Schnitt auf 45 Quadratmeter Wohnfläche aus. Dagegen leben in Äthiopien drei von vier Stadtbewohnern in Slums – und damit in schier unvorstellbarer Enge. Nach einer Studie des «Ethiopian Institute of Architecture» haben in den Slums der Hauptstadt Addis Abeba nur sieben Prozent der Bewohner Wasseranschluss und Toilette. Eine durchschnittliche Unterkunft hat 24 Quadratmeter – und beherbergt im Schnitt 5.7 Menschen. Pro Person stehen also nur vier Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.

 

Noch weniger Platz haben die allerärmsten Familien: Membere Tekle lebte mit ihren vier Kindern in einem Slum der Stadt Debre Berhan auf lediglich sechs Quadratmeter in einer fensterlosen Höhle aus Ästen, Plastikplanen und Wellblech. Wie viele der allerärmsten Mütter ist sie alleinerziehend. Ihr Mann ist psychisch krank und hat sie verlassen. Wenn die Kinder um Essen baten, hatte die Mutter kein Geld, um Essen zu kaufen. Auch Hefte und Stifte für die Schule konnte sie sich nicht leisten. «Ich fühlte mich ohnmächtig und schuldig gegenüber meinen Kindern», sagt die Mutter.

 

Menschen für Menschen hat die 1000 ärmsten Buben und Mädchen der Stadt in ein Kinder­projekt aufgenommen. Die Kinder erhalten bei Krankheiten medizinische Betreuung und im Alltag Lebensmittel, Hefte und Stifte, damit sie überhaupt zur Schule gehen können. «Entwicklung führt über Bildung: Das war eine der Überzeugun­gen unseres Gründers Karlheinz Böhm», erklärt Josefine Kamm, Geschäftsführerin von Menschen für Menschen. «Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass die Entwicklung auch für diese Kinder möglich ist und deshalb direkt in das Umfeld der Kinder investieren.»

 

In fensterlosen und raucherfüllten Höhlen der Slums kann sich niemand entwickeln. Menschen für Menschen errichtet deshalb einfache Häuser. Jeweils zwölf alleiner­ziehende Mütter mit ihren Kindern finden dort Zwei-Zim­mer-Wohnungen mit lokal gezim­merten Möbeln und mit Gemein­schaftslatrinen vor, wie die Stiftung in ihrer aktuellen Spenderpublikation Nagaya Magazin 4-18 darstellt. Auch Membere Tekle ist mit ihren vier Kindern eingezogen: «Bevor ich die Hilfen bekam, fühlte ich mich verloren», sagt die 31-jährige. «Jetzt habe ich Hoffnung.»

 

Genährt wird die Hoffnung vor allem auch durch neu geschaffene Einkommensmöglichkeiten. Membere Tekle hat wie die anderen Mütter in einer von Menschen für Menschen organisierten Selbsthilfegruppe Grundkurse in einfacher Buchführung erhalten. Diese Kenntnisse sind für die Frauen Voraussetzung um einen Mikrokredit zu erhalten, mit denen sie ein kleines Gewerbe aufbauen können. Membere hat Jungschafe gekauft, mästet sie mit Marktabfällen. Einige Schafe hat sie bereits mit gutem Gewinn verkauft: «Mein Ziel ist eine eigene Kuh, denn Milch ist knapp in der Stadt und verkauft sich gut.»

 

Kleinste Summen, klug investiert, reichen in Äthiopien oft aus, damit sich ganze Familien von Armut und Abhängigkeit befreien können. «Wir sorgen dafür, dass einerseits Not kurzfristig gemildert wird, aber die Familien gleichzeitig langfristig Perspektiven auf ein menschenwürdiges Leben aus eigener Kraft erhalten», erklärt Josefine Kamm. «Die Ärmsten der Armen, vor allem die Frauen, sind die besten Unternehmer ihres eigenen Geschicks. Wir geben ihnen unter klaren Bedingungen die Mittel in die Hand und die Frauen machen etwas daraus. Das ist sinnvolle und nachhaltige Entwicklungshilfe», betont Kamm. «Entwicklung kann nur über die tatkräftige und überzeugte Mitwirkung der Betroffenen stattfinden.»

 

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

 

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Menschen für Menschen

Medienkontakt:
Michael Kesselring, Kommunikation / Mediensprecher
m.kesselring@mfm-schweiz.ch, Tel.: +41 (0)43 499 10 60

 

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