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19.05.2020

Covid-19 trägt den Hunger in Afrikas Metropolen

Zürich/Addis Abeba, 19. Mai 2020 – In vielen Ländern Afrikas können die ärmsten Familien in der Corona-Krise nicht auf staatliche Hilfspakete hoffen. In Äthiopien gibt es in den Metropolen bereits Hunger: Wenn die Eltern ihre Jobs als Tagelöhner verlieren, können sie ihren Kindern keine Nahrung kaufen. Die unterernährten Kinder sind dringend auf Spezialnahrung angewiesen. Die Schweizer Stiftung Menschen für Menschen hat ein Nothilfe-Programm gestartet.

 

«Bislang habe ich für Familien gewaschen oder Brot gebacken», berichtet Fantanesh Worku. «Doch wenn ich jetzt nach Arbeit frage, schicken mich die Menschen aus Angst vor Corona weg.» Die alleinerziehende Mutter lebt mit ihren beiden Kindern, dem einjährigen Besufikad und der zwölfjährigen Bethlehem, in einem winzigen Verschlag in einem Slum von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. «Schon vor Corona wusste ich, was Hunger ist. Aber nun ist es noch schlimmer. Manchmal essen meine Kinder nur einmal am Tag.»

 

Äthiopien scheint die Ausbreitung von Covid-19 bislang unter Kontrolle zu haben. Die Regierung reagierte auf die Pandemie mit vielen Restriktionen und der Verhängung des Ausnahmezustandes. Beispielsweise müssen Einreisende in eine 14-tätige Quarantäne. Restaurants und Busse dürfen nur zur Hälfte besetzt sein. Kirchen und Moscheen sind geschlossen. Bislang wurden nur 352 Menschen positiv auf Covid-19 getestet, in dem Land mit 108 Millionen Einwohner seien bislang lediglich fünf Todesopfer im Zusammenhang mit dem Virus zu beklagen, meldeten die Behörden.

 

Die Ärmsten werden vergessen

Doch im Kampf gegen das Virus werden die Ärmsten in den Slums vergessen. Dabei handelt es sich häufig um alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern. Oft sind die Väter an HIV gestorben. Oder sie haben die Frauen im Stich gelassen. Bis zur Corona-Krise schlugen sich die Alleinerziehenden als Tagelöhnerinnen und Bettlerinnen durch. Manche arbeiteten als Armutsprostituierte, um ihre Kinder zu ernähren. Meist haben sie weniger als umgerechnet zwei Franken pro Tag zur Verfügung – zu wenig, um davon menschenwürdig zu leben. Aber nun bricht ihnen auch dieses winzige Einkommen weg, weil sie keine Jobs mehr bekommen und die Gläubigen den Kirchen fernbleiben, wo viele Mütter gewöhnlich um Almosen bitten.

 

«Weil ich nicht mehr bezahlen konnte, wollte mich der Vermieter auf die Strasse werfen», berichtet Fantanesh Worku. Zwar hat die Regierung für die Corona-Zeit untersagt, Verträge gegen den Willen der Mieter aufzulösen. Aber der Arm der Behörden reicht nicht immer bis zu den Ärmsten, die ihren Unterschlupf nur informell ohne schriftliche Vereinbarungen finden. «Zum Glück haben mir für diesen Monat einige grossherzige Nachbarn Geld für die Miete gegeben.»

 

Solche Familien sind es, die Krankenschwester Meaza Lakew im Ernährungsprogramm von Menschen für Menschen betreut. Normalerweise bekommen unterernährte Kleinkinder Zusatznahrung und die Mütter Unterricht, wie sie auch mit geringen Mitteln ihre Kinder möglichst ausgewogen ernähren. «Doch in Corona-Zeiten reicht die übliche Hilfe nicht mehr aus», sagt Schwester Meaza. «Deshalb mussten wir grössere Nothilfe-Pakete für 157 Familien zusammenstellen.»

 

Lebensmittel-Pakete für Familien

Jede Familie hat bei der ersten monatlichen Verteilung nun zehn Kilogramm Weizenmehl und fünf Kilogramm Famix erhalten, eine proteinreiche Spezialnahrung für Kleinkinder. Ausserdem in den Paketen sind Speiseöl, Teigwaren neben Seifen. «Wir schulen die Frauen auch in Hygiene und Schutzmassnahmen wie Social Distancing», erklärt Schwester Meaza. «Eine sehr wichtige Massnahme, da die Massenmedien diese Frauen nicht erreichen.» Zeitungen sind im Slum selten, viele der Frauen können gar nicht lesen, und sie haben weder Fernsehen noch Radio. Die Verteilung der Überlebenspakete mit begleitender Aufklärung soll bis zum Ende der Corona-Krise weitergeführt werden.

 

Bei der ersten Verteilung berichteten viele Mütter verzweifelt, dass die Vermieter sie aus ihren winzigen Unterkünften werfen wollten, weil sie die monatlichen Mieten von umgerechnet 15 bis 20 Franken nicht bezahlen können. Auf staatliche Hilfen können die Frauen nicht hoffen. Menschen für Menschen bereitet nun eine zusätzliche Massnahme vor: Neben Lebensmitteln sollen auch Geldbeträge zur Deckung der Mietkosten bereitgestellt werden.

 

Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.

 

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Michael Kesselring, Kommunikation / Mediensprecher
m.kesselring@mfm.ch, Tel.: +41 (0)43 499 10 60

 

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