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Weltflüchtlingstag: Äthiopien hält traurigen Rekord

Zürich/Addis Abeba, 20. Juni 2019. Nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie zum heutigen Weltflüchtlingstag. Über 70.8 Millionen Menschen weltweit mussten aus ihrer Heimat fliehen. Fast eine Million Flüchtlinge haben in Äthiopien Zuflucht gefunden. Sie stammen aus den umgebenden Krisenstaaten, vor allem dem Südsudan. Doch Äthiopien selbst hält einen traurigen Rekord: Das Land führt die Statistik der Binnenvertriebenen an. In keinem anderen Land mussten 2018 mehr Menschen ihre Dörfer und Städte aus Angst vor Gewalt verlassen.

 

Diagramm Binnenflüchtling

Äthiopien führt die Statistik mit den meisten Binnenflüchtlingen an.

In einigen Regionen Äthiopiens müssen Menschen ihre Heimat auf Grund von Dürren und Missernten aufgeben, die eine Folge des Klimawandels sind. Doch hauptsächliche Ursache für die mehr als 1.5 Millionen Personen, die 2018 in Äthiopien vertrieben wurden, sind die aufgeflammten Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien im Vielvölkerstaat. «Obwohl Äthiopien und sein neuer Ministerpräsident Abiy Ahmed für den Kurs der politischen Reformen seit Monaten viel Lob erhalten, hat sich die Sicherheitslage in mehreren Regionen des Landes jüngst eher noch zugespitzt», urteilt die NZZ. Die grosse Mehrheit der Flüchtlinge in Äthiopien (98 Prozent) flieht aber nicht ins Ausland, sondern sucht Schutz in anderen Teilen des Landes.

Von den ethnischen Spannungen sind auch Abaya und Gelana betroffen. In den beiden Landbezirken im Süden Äthiopiens herrscht notorisch Mangel und Unterernährung. Menschen für Menschen unterstützt die ärmsten Familien seit über drei Jahren vor allem durch die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. In Abaya und Gelana wurden Angehörige der Volksgruppe der Gedo vertrieben. Angegriffen wurden sie von Jugendlichen aus der Volksgruppe Guji Oromo. Mindestens 55 Bauernfamilien aus dem Projekt mussten zeitweise ihre Höfe verlassen. Ihre Hütten wurden häufig niedergebrannt. Inzwischen konnten die meisten Familien zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen. Menschen für Menschen leistete Nothilfe und unterstützt die betroffenen Familien nun langfristig mit Kleinkrediten und landwirtschaftlichen Schulungen.

Die Volksgruppe der Oromo fühlte sich lange politisch benachteiligt, die tieferen Ursachen für die lokalen Konflikte liegen aber auch in der Überbevölkerung und den zu knappen Ressourcen – um so wichtiger sind Projekte zur Bekämpfung der Armut: Die Menschen brauchen echte Lebensperspektiven in ihrer Heimat.