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Weihnachtsfreude in schwerer Zeit

Die Menschen in Äthiopien begehen das Fest nach einem harten Jahr

Weihnachten in Äthiopien: Kinder mit Kerzen

Der Duft von Bienenwachskerzen gehört zum äthiopischen Weihnachtsfest.

Vorfreude ist die schönste Freude, heisst es, und in Europa ist der Adventskranz dafür ein Symbol: In der winterlichen Dunkelheit freuen wir uns auf das näher rückende Lichterfest. In Äthiopien würde dieser vorweihnachtliche Brauch angesichts der Jahreszeit keinen Sinn machen: Dezember und Januar sind helle und sonnige Monate mit meist wolkenlosem Himmel.

In Äthiopien wird das Fest, dem Kalender der orthodoxen Kirche gemäss, erst am 7. Januar gefeiert. Niemand erwartet Geschenke. Auch nicht die Kinder. Stattdessen liegt der Fokus ganz auf dem Zusammensein in der Familie. Vor allem macht man den ganzen Tag Hausbesuche bei den näheren und weiteren Verwandten. Und überall gebietet die Höflichkeit mitzuessen.

Gewöhnlich gönnt man sich in Äthiopien nur an besonderen Festtagen ein wenig Fleisch. An Weihnachten wird gerne Doro Wot serviert, Poulet in einer sehr scharfen Sauce. Familien, die etwas besser gestellt sind, tischen auch Kitfo auf, eine Art Tatar, oder Tibbs, das sind mundgerecht gebratene Fleischstückchen vom Rind oder der Ziege. Selbst die armen Familien versuchen bei den lokalen Schlachtern ein wenig Fleisch zu bekommen.

Die orthodoxen Christen ziehen ihre Festtagskleidung aus handgewebter und ungefärbter Baumwolle an. Die „Shemmas“ sind grosse Tücher, sie werden ähnlich wie römische Togen um die Schultern geworfen. So ziehen die Gläubigen weiss gewandet in die Kirchen. Im Duft von Weihrauch und schlanken Bienenwachskerzen hoffen die Äthiopier das Leid des Jahres 2020 zu vergessen.

Weihnachten in Äthiopien: Festtagsbekleidung

Die traditionelle Festtagskleidung in Äthiopien besteht aus handgewebter Baumwolle.

Für viele von ihnen war es ein besonders schweres Jahr. Die Corona-Pandemie dominierte die ganze Welt, doch die äthiopischen Kinder und Jugendlichen traf es besonders hart. Über ein halbes Jahr lang waren die Schulen geschlossen. Die Schüler waren ganz auf sich allein gestellt, denn digitalen Unterricht gab es nicht. Viele Kleinbauernfamilien erlitten Ernteeinbussen durch Überschwemmungen oder durch Heuschreckenschwärme. Besondere Sorgen machten die ethnischen Konflikte im Land. In der Region Tigray im Norden des Landes kam es im November zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Gläubigen in den Kirchen beten, dass ihr Land im neuen Jahr zu Frieden und Verbundenheit zurückkehrt und Corona keine weiteren Schäden verursacht.

 

 

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