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Wo das Warten aufs Christkind länger dauert

Kein Baum, keine Geschenke, aber viel Gemeinschaft: Weihnachten in Äthiopien

 

Weihnachten in Äthiopien: Kinder mit Kerzen

Der Duft von Bienenwachskerzen gehört zum äthiopischen Weihnachtsfest.

Vorfreude ist die schönste Freude, heisst es, und in Europa ist der Adventskranz dafür ein Symbol: In der winterlichen Dunkelheit freuen wir uns auf das näher rückende Lichterfest. In Äthiopien würde dieser vorweihnachtliche Brauch angesichts der Jahreszeit keinen Sinn machen: „Der Dezember ist ein sehr heller und sonniger Monat mit meist wolkenlosem Himmel“, erzählt Amanuel Grunder. Der Projektkoordinator bei Menschen für Menschen kennt die Traditionen Ostafrikas genauso wie die Bräuche in Europa, denn er ist Sohn eines Schweizers und einer Äthiopierin. „Das ist praktisch, denn so kann ich zweimal Weihnachten feiern“, schmunzelt der Entwicklungsexperte.

 

In Äthiopien wird das Fest nämlich, dem Kalender der orthodoxen Kirche gemäss, erst am 7. Januar gefeiert. Allerdings ohne Weihnachtsbaum und ohne Geschenke. „Niemand erwartet Geschenke. Auch nicht die Kinder. Stattdessen liegt der Fokus ganz auf dem Zusammensein in der Familie.“ Vor allem macht man den ganzen Tag Hausbesuche bei den näheren und weiteren Verwandten. „Und überall gebietet die Höflichkeit mitzuessen“, erzählt Grunder und lächelt. „An solchen Festtagen essen wir bis zu sechs Mal.“

 

Weihnachten in Äthiopien: Festtagsbekleidung

Die traditionelle Festtagskleidung in Äthiopien besteht aus handgewebter Baumwolle.

Gewöhnlich gönnt man sich in Äthiopien nur an besonderen Festtagen ein wenig Fleisch. An Weihnachten wird gerne Doro Wot serviert, Hühnchen in einer sehr scharfen Sauce. Familien, die etwas besser gestellt sind, tischen auch Kitfo auf, eine Art Tatar, oder Tibbs, das sind mundgerecht gebratene Fleischstückchen vom Rind oder der Ziege. Selbst die armen Familien versuchen bei den lokalen Schlachtern ein wenig Fleisch zu bekommen.

 

 

Die orthodoxen Christen ziehen ihre Festtagskleidung aus handgewebter und ungefärbter Baumwolle an. Die „Shemmas“ sind grosse Tücher, sie werden ähnlich wie römische Togen um die Schultern geworfen. So ziehen die Gläubigen weiss gewandet in die Kirchen, wo im Duft von Weihrauch und schlanken Bienenwachskerzen wahrhaftige Weihnachtsstimmung aufkommt.

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