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Wasserbau am Gibe River

Die Bauarbeiten gehen planmässig voran und die Zeiten des Mangels sind bald vorbei – dafür sorgt das Wasser des Gibe River: Menschen für Menschen baut in Seka im Süden Äthiopien eine neue Bewässerungsinfrastruktur. Zwölf Kilometer lange Kanäle machen bald ganzjährig Ernten möglich und beenden den Hunger für Tausende Menschen.

Illustration Bewässerungsprojekt Seka

Gärten und Felder auf einer Fläche von 280 Fussballfeldern: Das ist unsere neue Bewässerungsanlage.

Wissenschaftler der Universität an der südäthiopischen Stadt Jimma stellte Kleinbauern im ländlichen Seka die Frage: «Leiden Sie zeitweise Mangel an Nahrungsmitteln?» 93 Prozent der Befragten beantworteten die Frage mit «Ja». Dies liegt daran, dass die Familien zumeist völlig von ihrer Landwirtschaft abhängen – und damit vom Regen. Saisonal kommt es immer wieder zu Zeiten, da sie keine Nahrungssicherheit haben. Man kann es auch deutlicher sagen: Neun Zehntel aller Kleinbauern und ihre Kinder leiden immer wieder unter Hunger.

Dabei wäre es vielerorts möglich, Nahrungsmittelsicherheit herzustellen: Bewässerungslandwirtschaft an Flüssen macht zwei bis drei Ernten im Jahr möglich. Es können dort auch in der Trockenzeit sogenannte «Cash Crops» angebaut werden, also Produkte, die sich am Markt verkaufen lassen. Der Verdienst kann in eine bessere Lebenshaltung oder in den Betrieb investiert werden.

Doch den Bauern fehlt Kapital und Wissen, um eine Bewässerungsinfrastruktur zu realisieren. Deshalb baut Menschen für Menschen im Bezirk Seka unweit von Jimma zusammen mit Ingenieuren der einheimischen Partnerorganisation „Support for Sustainable Development“ eine Anlage. Nach einigen Wochen Unterbrechung aufgrund der Beschränkungen in der Corona-Krise im April 2020 gehen die Bauarbeiten jetzt planmässig weiter.

Wehr am Gibe River

Das Stauwehr im Bau. Es wird dafür sorgen, dass 440 Liter Wasser pro Sekunde in die Kanäle fliessen.

Die Anlage erfordert verschiedenste Bauwerke. Am bereits erstellten Umleitungswehr wird das Wasser aus dem Gibe Fluss in einen 1,5 Kilometer langen Hauptkanal geleitet. Es gibt einen Durchstich unter einer Fernstrasse und ein Aquädukt, bevor das Wasser in Zweig- und Nebenkanäle fliessen wird. Insgesamt können nach dreijähriger Bauzeit insgesamt 200 Hektar zu ganzjährigen Feldern und Gärten umgewandelt werden.

Die Anlage ist technisch so interessant, dass Agraringenieur-Studenten der Universität Jimma Exkursionen zu der Baustelle unternehmen. Gebaut wird die Infrastruktur mit lokalen Hilfskräften, die ortsüblich entlohnt werden. Kriterium für die Jobvergabe ist die Armut der Familien. Im ersten Quartal 2020 waren 119 Männer und 277 Frauen im Rahmen dieses „Cash for Work“-Programms am Bau beschäftigt.

Noch in diesem Jahr sollen die ersten Familien Gartenflächen bewässern können. Nach Fertigstellung Ende 2021 erreichen 600 Familien Nahrungssicherheit. Da die Haushalte meist aus sechs oder mehr Menschen bestehen, profitieren schätzungsweise rund 4000 Frauen, Männer und Kinder von der Bewässerungsanlage.

Die Region Oromia hat sich vor Baubeginn gegenüber Menschen für Menschen verpflichtet, zwanzig Prozent der Baukosten zu übernehmen. Diese Beteiligung zeigt, dass die öffentliche Hand von der Wichtigkeit des Projekts überzeugt ist und ein grosses Interesse hat, dass die Infrastruktur erfolgreich und langfristig in Betrieb sein wird – zum Wohl der Bauern wie der städtischen Bevölkerung: Gerade für die armen Familien in den Slums ist es wichtig, dass die regionalen Märkte versorgt werden und Grundnahrungsmittel erschwinglich sind.

zum Bewässerungsprojekt