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29.05.2017

Trinkwasser für die Bewohner in Abaya

Trinkwasser für die Bewohner in Abaya:
„Bald können wir trinken, ohne krank zu werden“

Wasser Äthiopien

„Bald können meine Kinder so viel sauberes Wasser trinken, wie sie wollen“, sagt Belaynesh Gumy.

In einer Schlucht im Landkreis Abaya plant Menschen für Menschen Schweiz eine Quelle einzufassen und einen Treppenweg zu der neuen Anlage zu bauen. 150 Familien werden von der Baumassnahme profitieren. Wie sehr sich ihr Leben durch sicheres Trinkwasser ändern wird, davon berichtet Bäuerin Belaynesh Gumy, 31.

„Ich habe mit 14 geheiratet, das ist ganz normal bei uns. Mit 17 bekam ich mein erstes Kind. Inzwischen habe ich vier Töchter und zwei Söhne. Das ist mehr als genug – die Krankenschwester auf der Gesundheitsstation hat die Frauen aus unserem Dorf Hase Gola über Verhütung aufgeklärt. Jetzt nehme ich Implanon, ein Stäbchen, das die Schwester unter meine Haut operiert hat. Jetzt kann ich drei Jahre lang nicht mehr schwanger werden. Zum Glück.

Es ist schwer, so viele Kinder zu versorgen. Nicht nur mit Essen, sondern auch mit Wasser. Die Fare-Quelle in der Schlucht ist die einzige Wasserstelle weit und breit. Manche Frauen sind von ihren Hütten zwei bis drei Stunden lang unterwegs, um einen Kanister mit 20 Litern zu füllen und nach Hause zu schleppen. Zum Glück habe ich es nicht so weit. Meine Wegstrecke ist nur 15 Minuten lang.

Trotzdem ist das Wasserholen auch für mich jeden Tag eine schwere Arbeit. Wasser ist Frauensache. Die Männer schauen nach dem Vieh und hacken das Feld. Der Weg zur Quelle ist sehr steil und es gibt keinen gemauerten Weg. Wir gehen barfuss oder in Plastik-Schuhen auf dem Lehmboden. Wenn es geregnet hat, ist der Lehm glitschig wie Seife. Wir schöpfen das Wasser mit Bechern in die Kanister. Oft kommen so viele Frauen, dass man lange warten muss. Deshalb müssen bislang pro Tag maximal zwei Kanister mit 20 Litern ausreichen für die ganze Familie. Also zum Trinken, zum Spülen und um Hände und Gesichter zu waschen. Wir ermahnen die Kinder, nicht so viel zu trinken. Wir geben ihnen nur kleine Gläser. Ausgiebige Körperpflege und Wäsche waschen ist nicht möglich. Einmal im Monat gehe ich mit Nachbarinnen zum fünf Stunden entfernten Amalake-Fluss. Dort baden wir gemeinsam und waschen
unsere Wäsche mit Seife.

Wasserstelle Äthiopien

Belaynesh Gumy beim täglichen Wasserholen. Das Wasser an der offenen Quelle ist von den vielen Besucherinnen schlammig.

Das Wasser an der offenen Quelle wird von den vielen Frauen schlammig. Aber wir haben keine Wahl, wir schöpfen es dennoch in unsere Kanister.  Manchmal werden wir davon krank. Dann können wir nicht arbeiten, müssen stattdessen in die Gesundheitsstation und Medizin kaufen, die wir uns eigentlich nicht leisten können. Viele Nachbarn haben Amöbenruhr oder Gastritis. Einige aus unserem Dorf hatten Gardia (Anm.: eine durch Geisseltierchen verursachte Darmentzündung), sie mussten in die Stadt Dilla, um medizinische Behandlung zu bekommen. Es gibt keinen Bus und ein Motorradtaxi ist zu teuer. Es dauert viereinhalb Stunden, um zu Fuss nach Dilla zu gelangen. Oft hat der Gesundheitsposten bei uns keine Medizin vorrätig. Dann müssen wir nach Guanga wandern, den Hauptort des Landkreises, das dauert fünf Stunden. Wenn jemand sehr schwer krank ist und bewusstlos, dann tragen ihn die Nachbarn auf einer Bahre.  Aber die meisten marschieren stundenlang, auch wenn sie krank sind. Wir haben keine Wahl.

Mein Mann war innerhalb des vergangenen Jahres drei Mal krank, ich selbst einmal. Meine jüngsten Kinder erwischt es alle drei Monate. Eine Behandlung kostet zwischen 150 und 200 Birr (9 Schweizer Franken). Das ist viel Geld, denn ein Tagelohn, beispielsweise für einen Arbeiter im Steinbruch für den Strassenbau, sind 40 Birr.

Wenn der Bau fertig ist und wir eine ordentliche Zapfstelle an der Quelle bekommen, werden wir gesünder sein: Das ist die Hauptsache. Aber auch der Alltag wird leichter. Wir werden nicht mehr anstehen müssen, denn es wird mehrere Wasserhähne geben. Und wir werden mehr Wasser nutzen können. Unsere Kinder werden trinken, so viel sie wollen!

 

Eine Quelle zu fassen ist gar nicht so teuer, denn die Lokalbevölkerung hilft mit. Menschen für Menschen Schweiz sorgt für die Planung, das Material und die Maurer. Die künftigen Nutzniesser erledigen die Hilfsarbeiten. Sie sind für die Erdarbeiten zuständig und für das Heranbringen der Baumaterialien. So beläuft sich das Spendenbudget an der Fare-Quelle auf lediglich 51‘720 Birr (2’265 Schweizer Franken). Die gefasste Quelle stellt sicheres Trinkwasser für 150 Familien bereit. Bei durchschnittlich sieben Menschen pro Familie dient die Anlage der Gesundheit von über tausend Männern, Frauen und Kindern.

Vielen Dank für Ihre Spende!

CHF

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