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Pioniere bauen die Stadt der Zukunft

 

Im Norden Äthiopiens arbeiten einfache Bauern mit viel Elan an einer visionären Idee. Die Pioniere bauen eine völlig neue Stadt – Buranest. Dort werden die künftigen Bewohner nach ökologischen und nachhaltigen Kriterien wirtschaften und sich selbstständig aus der Armut herausarbeiten. Ein hochinnovatives Konzept- Die Stadt soll ein Vorbild für ganz Äthiopien werden.

 

Die Überbevölkerung ist eines der dringlichsten Probleme Äthiopiens. Innerhalb von nur 25 Jahren hat sich die Bevölkerung des Landes verdoppelt. Die vielen Menschen in den Dörfern können vielerorts nicht mehr von dem leben, was ihre auf althergebrachte Weise bestellten Felder an Ernten hergeben. Deshalb strömen Hundertausende junger Leute in die unkontrolliert wuchernden Städte. Dort kann der Aufbau der Infrastruktur und Wirtschaft mit dem Zustrom bei weitem nicht Schritt halten. Die Zuzügler in den Slums, häufig junge Familien mit kleinen Kindern, hausen in Hütten aus Ästen und Plastikplanen. Als Tagelöhner leben sie von der Hand in den Mund – um den Kindern wenigstens eine Mahlzeit am Tag zu bieten, verzichten viele Eltern häufig auf Nahrung.

 

Deshalb ist Buranest so eminent wichtig. Die neue Stadt beweist, dass die Verstädterung auch auf menschenwürdige Weise vonstatten gehen kann. Mehr noch, sie bietet sogar grosse Chancen für die Entwicklung des Landes.

 

BuraNest_Begegnungsort_zuschnitt

Buranest ist eine Plan-Stadt, in der alle grundlegenden menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden – schon das ist ein innovativer Anspruch für äthiopische Städte, die mit öffentlicher Infrastruktur wie Trink- und Abwasser notorisch unterversorgt sind. Gleichzeitig wirkt die Stadt mit dem Aufbau von lokalem Gewerbe und Markt als wirtschaftlicher Wachstumskern für seine Bewohner und das Umland.

 

Buranest-Projekt

Die innovativen Häuser werden von den Stadt-Pionieren, die sich in Genossenschaften organisiert haben, selbst erbaut. Das Baumaterial für die doppelstöckigen Gebäude mit für äthiopische Verhältnisse grosszügigen 80 Quadratmeter Wohnfläche könnte nicht ökologischer sein: Die Pioniere pressen ein Lehm-Stroh-Gemisch in Holzformen und trocknen es an der Sonne. Dann mauern sie mit diesen Lehmziegeln jeweils acht Reihenhäuser auf.

 

Buranest-Projekt
Auf dem neuen Marktplatz beginnt der Handel, und gerade erstellen Arbeiter die gewerbliche Schule. Hier und im angegliederten Modellgarten erhalten die Neubürger alle Kenntnisse, die für ihr eigenes Fortkommen und das der Stadt insgesamt sorgen werden. Neben Landwirten werden hier auch Zimmerleute, Maurer und andere Handwerker aus- und weitergebildet.


Bevölkerung ist in der Pflicht

Das Konzept für die neue Stadt stammt von dem Architekten Franz Oswald, emeritierter Professor an der ETH Zürich. Er ist die treibende Kraft hinter dem Projekt und trägt die Gesamtverantwortung mit seiner Organisation Nestown in Zusammenarbeit mit ihren Partnern in Äthiopien und der Schweiz. So kommt die Zusammenarbeit mit Menschen für Menschen Schweiz nicht von ungefähr: Beide teilen die Auffassung, dass nachhaltige Entwicklung nur möglich ist, wenn die Bevölkerung, so stark wie möglich eingebunden ist und auch in die Pflicht genommen wird. So legt das Projekt in Buranest sehr viel Wert auf Eigenleistung und Eigenverantwortung der Stadtpioniere. „Wir liefern mit unserem Konzept eine Art Schachbrett und eine Spielanleitung“, erklärt Franz Oswald. „Aber die Züge müssen die Stadtbewohner selbst machen.“

So werden sie auf relativ geringer Fläche möglichst viel marktfähiges Obst und Gemüse produzieren – nicht nur für den Eigenverbrauch, sondern für den regionalen Absatz. Menschen für Menschen Schweiz hilft den Pionieren vor allem dabei, die so lebenswichtige Bewässerungs-Infrastruktur für diese „integrierte Stadtlandwirtschaft“ zu errichten.

Nur zwei Monate im Jahr fallen nämlich ausgiebige Niederschläge. Die Wellblechdächer von je acht Häusern werden das wertvolle Nass auffangen und in vier je 120 Kubikmeter fassende Zisternen leiten, um das ganze Jahr über den Anbau von Gemüse zu ermöglichen: Schläuche leiten dann das Wasser zu den Beeten und geben es über winzige Öffnungen Tropfen für Tropfen direkt bei den Pflänzlingen ab – eine besonders moderne und effiziente Bewässerungsmethode.

 

Buranest-Projekt

Die Arbeiten gehen auch trotz der Regenzeit und des durchnässten Bodens, der wie Teig an den Schuhen klebt, unverdrossen weiter. Künftige Bewohner schleppen Steine hinab zu den Maurern, die in einer tiefen und ausladenden Grube die kreisrunden Wände der imposanten Zisternen errichten.

Gebejehu Endalu ist einer der Pioniere in der Bauerngenossenschaft,  die den Aufbau der Stadt vorantreiben. Der fünfzigjährige Vater von sechs Kindern wird mit seiner Familie eines der ersten Reihenhäuser beziehen. Die Fundamente stehen schon, im Januar sollen die Familien einziehen.

Buranest-Projekt -Gebejehu Endalu, 55, Bauer und Pionier in Buranest

Gebejehu Endalu, 55, Bauer und Pionier in Buranest

„Bislang war mein Leben fürchterlich mühsam“, sagt der Bauer in einer Arbeitspause. „Zu meinem Gehöft führt keine Strasse. Ich muss sämtliche Waren mit dem Esel transportieren und brauche drei Stunden bis zum Markt. Und der Trinkwasserbrunnen ist eine Stunde Weges entfernt. Ein effizientes Wirtschaften ist so nicht möglich.“

 

Deshalb habe er sich für Buranest entschieden: „Ich will für meine Familie Strom, sauberes Wasser, bessere Wohnverhältnisse und ökonomische Chancen.“ Er werde mehr und leichter produzieren und seine Waren gleich in der Stadt vermarkten. Mittelfristig wolle er einen Laden für Dinge des täglichen Bedarfs eröffnen, plant Gebejehu Endalu. Er blicke nun zuversichtlich in die Zukunft, aber er betont auch: „Um die Stadt voranzubringen, brauchen wir noch mehr Wissen. Wir wollen noch besser lernen, wie man modern und effizient wirtschaftet.“

 

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