Waisenkinder: Ohne Eltern - aber nicht allein | Stiftung Menschen für Menschen
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16.11.2017

Ohne Eltern – aber nicht allein

Zürich, 16. Oktober 2017 – Waise zu werden ist für Kinder in der Schweiz zum Glück selten geworden. Ganz anders ist die Situation in Afrika: In Äthiopien erleidet etwa jedes zehnte Kind den Verlust seiner Mutter, seines Vaters oder gar beider Eltern. Menschen für Menschen kümmert sich in der Hauptstadt Addis Abeba um diese besonders bedürftigen Kinder.

 

Wenn er nicht schlafen kann, denkt der 14 Jahre alte Yohannes an seine Eltern. Wie er früher mit seinem Vater in einem alten Lada durch die Strassen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba fuhr. „Das ist die Handbremse“, erklärte der Vater: „Und so schaltet man vom ersten in den zweiten Gang.“ Yohannes war stolz auf seinen Vater, den Taxifahrer. Wenn sie nach Hause kamen, stand die Mutter am Feuer und buk Fladenbrot.

 

Doch vor sechs Jahren wurde die Mutter krank, magerte immer mehr ab und starb. Ein Vierteljahr danach starb auch der Vater – wie die Mutter an den Folgen von AIDS. Jährlich verlieren rund 67’000 Äthiopier aufgrund der Immunschwäche-Krankheit ihr Leben. 450’000 Kinder im Land hat sie zu Halb- oder Vollwaisen gemacht.

 

Yohannes und sein neun Jahre alter Bruder Nebeyu leben heute im Abebech Gobena-Kinderheim in Addis Abeba, das von Menschen für Menschen unterhalten wird. „Als meine Mutter krank war, sagte ein Arzt, er wolle sie nicht behandeln, weil wir kein Geld hatten“, erinnert sich Yohannes: Armut ist in dem Land mit völlig unzureichendem Gesundheitssystem die eigentliche Ursache unzähliger Todesfälle von Eltern. Unter anderem fordern Malaria, Tuberkulose und Lungeninfektionen hunderttausende Opfer. Insgesamt gibt es in Äthiopien deshalb dreieinhalb Millionen Waisenkinder.

 

Die notwendigen Medikamente sind in staatlichen Gesundheitsstationen häufig nicht vorrätig und müssen privat gekauft werden – was für viele Patienten nicht möglich ist: Ein Drittel der Äthiopier hat pro Tag für alle Lebenshaltungskosten weniger als zwei Franken zur Verfügung.

 

„Auf dem Land werden Waisen traditionell von Verwandten aufgenommen. Aber in den grossen Städten leben viele Kinder ohne Verwandtschaft“, erklärt Josefine Kamm, Geschäftsführerin von Menschen für Menschen. „Deshalb kümmern wir uns besonders um diese Kinder. Ohne die Hilfe aus der Schweiz würden sie als Kinderarbeiter in Haushalten oder der Landwirtschaft ausgenutzt oder als Strassenkinder enden.“

 

„Im Abebech-Gobena-Kinderheim in Addis Abeba erhalten deshalb 34 Waisen ein Zuhause, in dem sie geborgen aufwachsen können“, sagt Josefine Kamm. Darunter sind auch fünf Findelkinder: „Immer wieder kommt es vor, dass kranke und verzweifelte Mütter ihre Säuglinge an Kirchen oder belebten Plätzen zurücklassen.“

 

Das Heim wurde in den Siebziger Jahren von Abebech Gobena, einer einfachen Frau aus dem Volk, gegründet. Sie sah ein abgemagertes Mädchen an der Strasse sitzen – neben dem ausgezehrten Leichnam seiner Mutter. Spontan nahm Abebech Gobena das Kind mit nach Hause. Sie eröffnete ein Heim und nahm weitere Waisenkinder auf. „In unserem Stiftungsgründer Karlheinz Böhm fand sie einen Seelenverwandten: Menschen für Menschen ermöglicht seit Jahrzehnten den Fortbestand des Heims“, erklärt Josefine Kamm. „Denn Kinder brauchen ein Zuhause, in dem sie sich geborgen fühlen und sich entwickeln können.“

 

Die neue Ausgabe der Spenderzeitschrift NAGAYA MAGAZIN beschreibt das Heim in einer ausführlichen Reportage: Es ist eine Insel der Ruhe im Lärm und Staub der Millionenstadt Addis Abeba. Die Kinder besuchen die Schule, die an das Heim angegliedert ist. Sie werden bis nach ihrer Berufsausbildung betreut und dann in die Selbstständigkeit entlassen.

 

Nicht immer ist es einfach für die Kinder. Yohannes Schulnoten sind in den vergangenen Monaten schlechter geworden. „Ich muss immer an meine Eltern denken und kann mich deshalb so schlecht konzentrieren.“, sagt Yohannes. Jetzt bekommt er im Heim Hausaufgabenbetreuung. Denn er will doch Arzt werden und braucht dafür gute Zeugnisse: „Ich will ein guter Arzt werden, der auch die ganz Armen ohne Geld behandelt.“

 

Menschen für Menschen Schweiz setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können.

 

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