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Heuschreckenplage in Äthiopien: Schreckliche Schwärme

Biblische Plage: Heuschrecken bedrohen Projektgebiet von Menschen für Menschen

Im Landkreis Abaya in Südäthiopien bedrohen Schwärme mit Millionen Heuschrecken Weiden und Gärten. Durch den Einsatz der gesamten Bevölkerung konnten schlimmere Schäden verhindert werden: Die Menschen bekämpfen den Einfall der Schwärme biblischen Ausmasses erfolgreich mit Schreien, Stockschlägen und Flintenschüssen – bis auf weiteres.

Heuschreckenplage in Äthiopien

Der Himmel ist übersät mit Millionen von Heuschrecken.

Mitte des vergangenen Jahres überquerten Wüstenheuschrecken aus Arabien das Rote Meer und den Golf von Aden und fielen in Ostafrika ein. Seit Mitte Januar stossen nun riesige Schwärme aus den Savannen und Halbwüsten im Osten Äthiopiens weiter ins fruchtbare Rift Valley vor, wo sehr viele arme Kleinbauern leben. «Die derzeitige Situation ist nach wie vor äusserst besorgniserregend und stellt eine beispiellose Bedrohung für die Ernährungssicherheit und den Lebensunterhalt am Horn von Afrika dar»: Dies ist die Einschätzung der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Es hat ungewöhnlich viel geregnet am Horn, deshalb habe es seit rund einem Vierteljahrhundert keine Heuschreckenschwärme dieses Ausmasses gegeben.

Manche Schwärme der Wüstenheuschrecken bestehen aus bis zu 50 Millionen Insekten. Die Lage ist auch deshalb gefährlich, weil in Ostafrika schon unter gewöhnlichen Umständen Nahrungsmittel-Unsicherheit herrscht – nach offiziellen Statistiken haben dort rund 25 Millionen Menschen nicht ausreichend zu essen.

Auch der südäthiopische Landkreis Abaya ist betroffen. Dort führt Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen ein Projekt für die ärmsten Bauernfamilien durch. Die Heuschrecken fallen besonders gerne über Getreide und Bohnen her. «Zum Glück waren diese Feldfrüchte aber Mitte Januar, als die ersten Insekten gesichtet wurden, bereits unter Dach und Fach», berichtet Projektkoordinator Dr. Martin Grunder aus dem Büro der Schweizer Stiftung in Äthiopiens Haupstadt Addis Abeba.  Doch die Insekten bedrohen nun die Obstbäume, das Weideland und die Ensete, auch «falsche Banane» genannt: «Aus diesen stärkereichen Stauden gewinnen die Familien ihr Grundnahrungsmittel Kotscho, ohne dieses sind sie Nahrungsmangel ausgeliefert.»

Wüstenheuschrecke

Wüstenheuschrecken in Abaya.

Am 23. Januar sichteten die Bauern von Abaya den ersten Schwarm. Bald wurden Heuschrecken im Himmel über 22 Dörfern des Landkreises gesichtet. Die Einwohner waren durch die lokalen Behörden und die Projektmitarbeiter von Menschen für Menschen vorgewarnt. Die gesamte Bevölkerung war auf den Beinen. Vielerorts waren stark qualmende Feuer aus trockenem Gras und Stroh entzündet worden – die Schwärme mögen keinen Rauch. So konnte erreicht werden, dass die Heuschrecken nicht in den besonders wertvollen Pflanzschulen von Menschen für Menschen für Kaffee und in vielen der Ensete-Gärten landeten.

Die Schwärme dehnten sich über eine Fläche von rund 70 Quadratkilometern aus. Auf rund 17 Quadratkilometern konnte zunächst nicht verhindert werden, dass sich die Tiere auf Weiden und Bäumen niederliessen. Die Bevölkerung eilte in die Schwärme hinein, schlug mit Stöcken nach den Tieren. Vor allem aber wurden die Insekten mit Lärm vertrieben. So trommelten die Bauern mit Stöcken auf Wellbleche und gaben Schreie von sich. Auch einzelne Flintenschüsse wurden abgegeben – offenbar mit Erfolg: Die Schwärme erhoben sich und zogen weiter. Nach zwei Tagen war der Spuk im gesamten Landkreis vorbei.

Ohne diese Massnahmen hätten sich die Tiere in Abaya wohl festgekrallt und die Region möglicherweise kahlgefressen. So aber gab es zum Glück keine nachhaltigen Schäden, berichten die lokalen Projektmitarbeiter – bis jetzt.  «In den östlichen Gebieten Äthiopiens gibt es weiter Schwärme, während sich einige weiterhin nach Süden und in das Rift Valley bewegen», warnt die FAO. Einige Schwärme hätten bereits Eier gelegt und das Schlüpfen sei mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten: «Eine neue Generation der Insekten wird ihre Anzahl weiter erhöhen.»

«Wir verfolgen das Entstehen und Wandern der Schwärme über unsere Kontakte in benachbarte Regionen genau», sagt Dr. Martin Grunder von Menschen für Menschen. «Bei Bedarf werden wir die Bevölkerung erneut mobilisieren.»