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24.11.2017

Zum Welttag gegen Gewalt an Frauen: Kinderheirat stoppen!

Zürich, 24.11.2017 – In Äthiopien werden viele Mädchen entführt, vergewaltigt und in Kinderehen gezwungen. Ohne Familienplanung bekommen junge Frauen so viele Kinder, dass ihr Lebensweg in Armut zementiert ist. Menschen für Menschen wendet sich gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen und stärkt ihre Position nachhaltig.

 

Tadeletsch war 15 Jahre alt, als sie überfallen wurde. Sie war auf dem Heimweg vom Markt, als sich ihr eine Gruppe Männer in den Weg stellte. Einen von ihnen kannte sie: Der junge Mann hatte ihre Eltern besucht und gefragt, ob sie ihm das Mädchen zur Frau geben wollten. Die Eltern lehnten ab. Nun holte er sich Tadeletsch mit Gewalt. Seine Freunde schleppten Tadeletsch in eine Hütte. Dort vergewaltigte er sie. Damit galt sie der Tradition nach als entehrt – ausser sie heiratete den Vergewaltiger: Die Eltern stimmten nun der Heirat zu. „Zuerst weinte ich und war sehr wütend“, erinnert sich Tadeletsch. „Aber dann akzeptierte ich die Heirat als Gottes Wille.“ Bald bekam sie ihren ersten Sohn. Fünf weitere Kinder folgten in kurzen Abständen.

 

Tadeletsch Gemedes Lebensweg ist in vielen Gegenden Äthiopiens keine Ausnahme. Darauf weist Menschen für Menschen anlässlich des „Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November hin. In manchen äthiopischen Landesteilen wie Oromia ist jede zehnte verheiratete junge Frau entführt und vergewaltigt worden, um eine Eheschliessung zu erzwingen. Laut einer Studie des Londoner „Overseas Development Institute“ (ODI) und den neuesten verfügbaren Zahlen von 2011 gab die Hälfte der äthiopischen Frauen an, bereits mit 16 Jahren verheiratet gewesen zu sein. 70 Prozent der verheirateten Mädchen und Frauen zwischen 12 und 24 Jahren leben in Ehen, die arrangiert wurden.

 

Zwar haben die Behörden Erfolge mit ihren Kampagnen gegen Kinderehen, aber immer noch heiraten vor allem Töchter der besonders armen Familien als Minderjährige. Ihre Eltern stimmen einer Ehe oft zu, weil dann ein Esser weniger im Haus ist oder sie eine Brautgabe bekommen. Neben Armut spielen aber auch soziale Normen eine grosse Rolle. Frauen sollen unberührt in die Ehe gehen. „Die Kinderehe wird weiter als bester Weg gesehen, die Ehre der Mädchen – und damit der Familien – zu bewahren“, urteilt die ODI-Studie.

 

„Es geht darum, den Familien und den Dorfgemeinschaften aufzuzeigen, wie schädlich manche Traditionen für die Mädchen sind“, erklärt Josefine Kamm, Geschäftsführerin von Menschen für Menschen. „Gleichzeitig brauchen die Mädchen und die armen Familien echte Alternativen zur Kinderehe – nämlich Bildung und Einkommensmöglichkeiten. Wir müssen die Mädchen und Frauen stärken.“ Menschen für Menschen führt damit einen der Grundsätze von Karlheinz Böhm weiter. Der Stiftungsgründer setzte sich bereits vor 20 Jahren Jahren gegen Mädchenbeschneidung und Frühheiraten ein und drängte in den Projektregionen diese schädlichen Traditionen zurück.

 

In Abaya, einem der ärmsten Distrikte des Landes, bietet Menschen für Menschen den Bäuerinnen Kleinkredite an. „Bewusst gehen die Kredite an die Frauen, um ihre Position in ihren Familien und Dörfern zu stärken“, betont Josefine Kamm. Mit dem Geld erwerben die Frauen Saatgut oder Mastochsen. Andere benutzen den Kredit als Startkapital für Kaffee- und Getreidehandel: „Wer sein eigenes Geld verdient, gewinnt auch an Selbstbestimmung.“

 

Tadeletsch Gemede geht nach eineinhalb Jahrzehnten Zwangspause nun wieder zur Schule. Sie besucht die sechste Klasse an der Odomika Primary School – wo ihr 16-jähriger Sohn bereits die zehnte Klasse besucht. „Wegen der Heirat musste ich meine Schulbildung aufgeben“, sagt Tadeletsch. „Aber jetzt hole ich das Versäumte nach!“

 

Neben dem Unterricht engagiert sie sich im „Schulclub für öffentliche Gesundheit“, der von Menschen für Menschen initiiert wurde. In der grossen Pause steht Tadeletsch auf der Schulwiese. Sie klärt die Mitschüler auf, dass Kondome vor HIV schützen. Sie erklärt, dass zu viele Kinder ein Grund für Familien sind, in Armut zu verharren und welche Verhütungsmethoden es gibt. Vor allem aber fordert sie die Mitschülerinnen auf, sich gegen eine frühe Heirat zu wehren. Ihre Stimme zittert, denn sie erzählt ihre eigene Geschichte. „Es ist illegal, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu verheiraten“, ruft sie ins Megaphon. „Nur wenn ihr eure Schulbildung abschliesst, könnt ihr ein gutes Leben ohne Armut erreichen.“

 

Menschen für Menschen Schweiz setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können.

 

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Medienkontakt:
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m.kesselring@mfm-schweiz.ch, Tel.: +41 (0)43 499 10 60

 

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Die Medienmitteilung finden Sie auch auf infoticker.ch.

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