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23.07.2018

Die Tage als Plage

Die Tage als Plage

Die Regel in Äthiopien: Wenn Monatsbinden zu teuer sind

Manche Dinge im Alltag sind uns allen so gewiss, dass wir nicht darüber nachdenken, wie essentiell sie sind. Erst wenn sie fehlen, fällt uns auf, wie unsere Lebensqualität davon abhängt. Eine Dusche oder eine Toilette zum Beispiel. Oder eine warme Decke in einer kalten Nacht. Oder für die Frauen: Monatsbinden.

Lehrerin mit Monatsbinden

Mestaut Moges, 28, Gemeinschaftskunde-Lehrerin: Dank den Monatsbinden kommen die Mädchen nun immer zur Schule.

In Shewarobit, einer staubigen Stadt in Äthiopien, kosten zehn Stück der billigsten Marke 25 Birr. Das ist zwar nur ein knapper Franken. Aber für ungelernte Arbeiterinnen ist diese Summe viel Geld. Um einen Franken zu verdienen verrichten sie mindestens einen halben Tag schwere Arbeit als Trägerinnen, Wäscherinnen oder Küchenhilfen.

Traditionell behelfen sich die Frauen mit Stofflappen. Für viele Teenager ist das keine Lösung, mit der sie sich wohlfühlen: Als Menschen für Menschen vor einem gross angelegten Hygiene-Projekt in Shewarobit eine Basisstudie durchführte, um das Ausmass der sanitären Probleme zu erfassen und entsprechende Massnahmen entwickeln zu können, stellte sich durch Interviews in den Schulen heraus, dass rund zehn Prozent der Mädchen während ihrer Periode dem Unterricht fernblieben. Einfach, weil sie sich keine Tampons oder Binden leisten können – ein riesiger Nachteil für ihren Bildungserfolg.

Die Sozialarbeiter im Projekt des Schweizer Hilfswerks förderten in den Schulen die Entstehung von Mädchenclubs. Die Mitglieder arbeiten zusammen mit ausgewählten Lehrerinnen daran, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu fördern und das teils immer noch vorhandene Stigma zu brechen. „Ihr braucht euch nicht zu verstecken, wenn ihr die Tage habt“, lautet die Botschaft. Die Clubmitglieder sammeln bei den Schülern auch Geld, um damit Binden kaufen zu können, die Mädchen aus besonders armen Familien dann bei Vertrauenslehrerinnen gratis erhalten.

Im Menschen für Menschen-Projekt in Abaya, einem Landdistrikt im Süden, ist die Situation ähnlich. Dort wirkt Mestaut Moges, 28, als Vertrauenslehrerin an der Schule im Dorf Odomike, bei der die Schülerinnen Binden erhalten: „Gerade die Mädchen aus den besonders armen Familien sind oft unsicher. Häufig glaubten sie, es gehöre sich nicht, während der Menstruation zur Schule zu gehen. Das haben wir beendet.“ Sie sagt das Gleiche wie die Lehrer in Shewarobit: „Es gibt jetzt keine Mädchen mehr, die nur wegen ihrer Menstruation zu Hause bleiben.“

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