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Corona-Krise in Debre Berhan: Angst vor dem Virus – und vor dem Hunger

Durch die Corona-Beschränkungen droht die Rückkehr von extremer Armut. Mitten in den Städten Äthiopiens leiden Familien an Hunger. Auch in unserem Kinderprojekt in Debre Berhan versorgen wir die ärmsten Familien mit monatlichen Überlebenspaketen.

Familie erhält Lebensmittelhilfe aufgrund der Corona-Krise

Mimi Goshimes Familie erhält in der Corona-Krise Lebensmittel-Nothilfe von Menschen für Menschen.

Bis zur Corona-Krise lief es immer besser für Mimi Goshime. Gerade war sie aus einem Slum-Loch in eine Sozialwohnung von Menschen für Menschen umgezogen. Die Kinder bekamen Schulmaterial und konnten endlich zur Schule. Ihr Mann, ein Tagelöhner, ist seit einem Unfall arbeitsunfähig, aber mit einem Mikrokredit von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe startete Mimi einen Strassenimbiss. Sie röstete Weizenkörner und verkaufte diesen beliebten Snack an Passanten.

Mimi Goshime und ihre Familie gehören zu der ärmsten Bevölkerung in Debre Berhan. Menschen für Menschen hat mit Hilfe einheimischer Sozialarbeiter in den Slums der Grossstadt die 1000 bedürftigsten Kinder identifiziert. Ihre Familien werden intensiv und umfassend gefördert. Die Eltern werden in Selbsthilfegruppen zusammengefasst. Dort erhalten sie Grundkenntnisse im Betrieb eines kleinen Gewerbes und Mikrokredite. Ziel ist es, dass die Familien spätestens nach drei Jahren unabhängig werden von Menschen für Menschen. Auch Mimi Goshime war auf diesem Weg. Ihr Strassenverkauf lief gut. «Zum ersten Mal im Leben fühlte ich mich nicht minderwertig», sagt die Mutter von vier Kindern. «Ich war sicher, es aus eigener Kraft zu schaffen.»

Doch dann kam Corona. Die Regierung reagierte auf die Pandemie mit der Verhängung des Ausnahmezustandes und vielen Restriktionen. Bislang zeigen die Massnahmen offenbar Wirkung. Bis Ende Juni wurden nur 5846 Menschen positiv getestet. 103 Corona-Todesopfer hat das Land bis zu dem Zeitpunkt zu beklagen.

Tochter von Mimi Goshime mit Maske

Hiwot, 4, Tochter von Mimi Goshime.

Die Begleitschäden der Pandemie-Bekämpfung sind jedoch für die ärmsten Familien unerträglich. Die ungelernten Eltern arbeiten als Tagelöhner oder Kleinstunternehmer im informellen Sektor, wo nun Aufträge und Einkünfte ganz wegbrechen. «Die Kunden haben Angst, sich anzustecken. Kaum noch jemand kauft meine Snacks», berichtet Mimi.

Erschwerend kommt hinzu, dass seit Beginn der Krise die Lebensmittelpreise steigen, bislang um ein Drittel: Der Austausch zwischen Stadt und Land und über die Regionen hinweg ist gestört. Gewöhnlich ernähren sich die Menschen in Äthiopien von Injerra, säuerliches Fladenbrot, mit dicken Saucen aus proteinreichen Hülsenfrüchten neben Gemüse. «Jetzt essen wir gekochten Weizen und Mais», sagt Mimi Goshime. In ihrem Gesicht ist Verzweiflung zu lesen. «Früher konnten wir auf die Hilfe von Nachbarn zählen, die uns aushalfen, wenn wir gar nichts zu essen hatten.» Aber jetzt isolieren sich die Menschen voneinander. «Ich habe Angst, dass Corona uns wieder in tiefste Armut stürzt.»

Die Sozialarbeiter im Kinderprojekt von Menschen für Menschen sind täglich in den Slums. Sie kennen die Lebensumstände im Kinderprojekt genau. Von den 1000 geförderten Kindern wurden 206 als besonders bedürftig erkannt: Ohne Lebensmittelhilfe würden sie hungern – und wären damit auch leichter anfällig für Covid-19 und andere Krankheiten. Diese Kinder erhalten nun monatliche Nothilfepakete: 15 Kilogramm Mehl, daneben Teigwaren, Reis und proteinreiche Linsen (je 3 Kilogramm), ein Liter Speiseöl und für eine bessere Hygiene zwei Waschseifen. Bewusst werden nicht alle 1000 Kinder im Projekt mit Nothilfe bedacht. Es wäre kontraproduktiv, Kinder mit Lebensmitteln zu versorgen, deren Eltern noch Arbeit und Einkünfte haben. Das würde eher Abhängigkeiten fördern, was Menschen für Menschen unbedingt vermeiden will.

Arme Familie aus Debre Berhan erhält Nothilfe

Mimi Goshime und ihre Familie: «Wir essen nur gekochten Weizen und Mais.»

Doch die Sozialarbeiterinnen beobachten alle 1000 geförderten Kinder genau: Es geht auch um die mentale Gesundheit. Seit rund drei Monaten sind die Schulen geschlossen. In der Enge der Slum-Wohnungen und ohne Spielzeuge, Bücher oder Internetanschluss langweilen sich die Kinder. Viele leiden auch unter der wachsenden Verzweiflung ihrer Eltern. Die Sozialarbeiterinnen geben ihnen Erziehungstipps, sie lernen mit den Kindern, haben ein offenes Ohr, helfen mit ihrem Rat: Gerade jetzt ist ein gutes Miteinander in den ärmsten Familien entscheidend, damit die Kinder ohne körperliche und seelische Schäden durch die Krise kommen.

Das grösste Problem aber für die geistige Verfassung der Familien ist, dass niemand weiss, wie lange die Corona-Krise noch andauert. Noch gebe es Solidarität zwischen den Familien, sagt Mimi Goshime. Aber einige Werte in der äthiopischen Gesellschaft wie das Teilen von Essen oder Nachbarschaftshilfe gehe bereits zurück durch das Social Distancing und die Angst vor dem Virus. «Wir begannen bereits von einer besseren Zukunft zu träumen», sagt Mimi Goshime. «Aber wenn sich die Corona-Situation nicht bessert und jeder nur noch für sich selbst sorgt, was soll dann aus uns werden?»

Menschen für Menschen wird weiter an der Seite der Familien stehen. Die Nothilfe in Debre Berhan soll mit Hilfe der Spender und Unterstützer in der Schweiz so lange fortgeführt werden, bis sich die Corona-Situation in Äthiopien entspannt.


Grafik LebensmittelpaketFür die Gesundheit der Kinder!

Schulmaterialien, Hygiene, Gesundheitsvorsorge: Wir schaffen Perspektiven für die ärmsten Kinder in der äthiopischen Stadt Debre Berhan. In der jetzigen Corona-Krise brauchen die Kinder zusätzlich dringend Lebensmittel-Nothilfe.

Unser Nothilfe-Paket besteht aus:

  • 15 kg Weizenmehl
  • 3 kg Teigwaren
  • 3 kg Reis
  • 3 kg Linsen
  • 1 l Speiseöl
  • 2 Stück Seife

 

Mit 50 Franken sorgen Sie in der Corona-Krise dafür, dass ein Kind einen Monat lang mit dem Nötigsten versorgt wird.

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