Arbeit für arme Frauen in Afrika | Stiftung Menschen für Menschen
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Arbeit für arme Frauen: Das Glück ist jeden Tag zu Gast

In vergangenen Ausgaben unseres NAGAYA MAGAZINS berichteten wir über alleinerziehende Mütter in tiefem Elend. Um ihren Kindern das Überleben zu ermöglichen, mussten sie sich sogar prostituieren. Doch dank der Spender von Menschen für Menschen konnten Nat Fanta und Bizuye Zemedkun diesem Los entkommen. Sie arbeiten nun in einem Café, das von Menschen für Menschen errichtet wurde. Das Projekt schafft Lebensperspektiven für besonders arme Frauen und dient gleichzeitig der öffentlichen Gesundheit.

 

Arbeit für arme Frauen

Nat Fantas Tochter Bethlehem kann sich endlich auf die Schule konzentrieren. Jetzt verspotten ihre Mitschülter sie nicht mehr wegen des Broterwerbs ihrer Mutter.

EIN NEUER MORGEN IN SHEWAROBIT, FRÖHLICH LÄRMEND STÜRMEN DIE KINDER DURCH DAS TOR DER GRUNDSCHULE. Mittendrin: Bethlehem, zehn Jahre alt, ein aufgewecktes Mädchen. Besonders im Fach Mathematik ist ihr Blick konzentriert und ihr Arm oft in die Luft gereckt. Wenn die Lehrerin sie aufruft, ist ihre Antwort fast immer richtig.

Zur gleichen Zeit öffnet das Café am Busbahnhof seine Tür. Nat Fanta, 26, die Mutter von Bethlehem, zerstösst Kaffeebohnen in einem Mörser. Ihre Kollegin Bizuye Zemedkun, 28, hat sie über einem knisternden Feuer frisch geröstet. „Mir geht es seelisch jetzt viel besser!“, sagt Bizuye.

Viele Jahre lang lebten die beiden Mütter ein elendes Leben ganz am unteren Rand der Gesellschaft. Ein alltägliches Schicksal in Äthiopien: Arme Frauen vom Land wie Nat Fanta verlassen die Not und Enge der Dörfer, kommen in die Stadt und finden keinen Job. Viele Frauen werden wie Bizuye Zemedkun von ihren Männern verlassen und sehen sich plötzlich ganz auf sich allein gestellt in der Verantwortung für ihre Kinder. Sozialhilfe gibt es nicht, für viele Frauen ohne Ausbildung, die kleine Kinder zu versorgen haben, bleibt nur der Weg in die Prostitution.

Nat und Bizuye arbeiteten in schäbigen Schnapsspelunken für umgerechnet zweieinhalb Franken pro Kunde. „Ich nahm nur so viele Kunden ins Hinterzimmer wie absolut notwendig“, sagt Bizuye. „An vielen Abenden fühlte ich mich nicht stark genug.“ Manchmal wollten betrunkene Freier kein Kondom benutzen und wurden gewalttätig. „Es gibt keine andere Arbeit, die schlimmer ist“, sagt Nat. Besonders habe sie aber darunter gelitten, dass wegen ihres Broterwerbs andere Kinder ihre Tochter verspotteten.

Arbeit für arme Frauen

Nat Fanta (links) und Bizuye Zemedkun sind froh über ihren neuen Arbeitsplatz: „Endlich können wir menschenwürdig leben.“

INNOVATIVES PROJEKT

Aber dank der Spender von Menschen für Menschen ist die schlimme Vergangenheit vorbei. Denn Nat und Bizuye arbeiten nun in einem von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe eröffneten WASH-Café. Die Abkürzung steht für „Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene.“ In den Cafés können die Besucher nicht nur essen und trinken, sondern auch duschen und Toiletten benutzen – ein wahrer Luxus in Shewarobit.

Die Cafés gehören zu einem innovativen Projekt von Menschen für Menschen, das gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt. Einerseits verbessert es die katastrophale Hygiene-Situation in der Stadt. Andererseits bietet es besonders armen Menschen wie Nat und Bizuye dringend benötigte menschenwürdige Arbeitsplätze. Eine Kooperative aus neun Frauen und drei Männern betreiben das Café gemeinsam.

Vor drei Monaten öffnete es und etablierte sich sofort: Jeden Tag bestellen rund 50 Gäste eine Hauptmahlzeit. Ebenso viele Gäste kommen, um einen Kaffee zu geniessen. Doch noch viel mehr Besucher fragen andere zentrale Angebote des Cafés nach: 240 Gäste benutzen gegen eine Gebühr von vier Rappen jeden Tag die WC-Kabinen und 150 Besucher kommen, um für acht Rappen zu duschen – denn kaum jemand in Shewarobit hat anderswo Zugang zu einer Toilette oder gar einem Bad.

Arbeit für arme Frauen

Nun arbeitet Nat Fanta im WASH-Café von Menschen für Menschen. Nach der Schule besucht ihre Tochter sie dort täglich.

FRAUEN ERFAHREN WERTSCHÄTZUNG

Dank der Einnahmen können sich die Betreiberinnen jeden Monat einen Verdienst von umgerechnet 55 CHF auszahlen – was in Äthiopien für Ungelernte überdurchschnittlich ist. Einige Frauen konnten ihr Familieneinkommen sogar verdoppeln. Auch für Nat und Bizuye ist jetzt jeden Tag das Glück zu Gast. „Ich habe ein festes Gehalt und kann meinen elf Jahre alten Sohn Abubeker in die Schule schicken. Er ist einer der Besten in seiner Klasse!“, sagt Bizuye stolz. „Seit ich nicht mehr in einem Bordell arbeite, kann ich meiner Tochter viel mehr Liebe geben“, sagt Nat Fanta. „Nachts bei ihr schlafen, sie morgens mit einem Frühstück versorgen: Endlich kann ich ihr ein normales Leben bieten.“ Zum Abschied sagt die junge Mutter den Besuchern aus der Schweiz: „Bitte berichtet den Menschen, die unser Leben mit ihrer Unterstützung verändert haben, wie dankbar wir ihnen sind!“

 

Vor zwei Jahren berichteten wir in einem Video schon einmal über Nat Fanta. Damals musste sie in schäbigen Hinterzimmern ihren Körper verkaufen. Dank der Spender von Menschen für Menschen ist das vorbei!

 

Jede Spende – egal wie hoch – hilft, die Lebenssituation von alleinerziehnden Frauen zu verbessern. Helfen Sie mit!

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